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 Betreff des Beitrags: Der Kapitalismus als Wurzel allen Übels?
BeitragVerfasst: 24 Sep 2012 10:05 
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Anbei ein Artikel von Wolf Lotter in der FAZ vom 23.9.12, dessen Lektüre ich empfehlen möchte.
Ein lesenswerter Bericht der sich kritisch mit Macht und Kapitalismus auseinandersetzt, ohne als typisch ideologisch motivierter, sträflich vereinfachender Antikapitalismus daherzukommen.
Da der Text leider nicht mehr online ist, poste ich ihn hier in Gänze

FAS, 23.9.12, Wolf Lotter hat geschrieben:
Die Bürokraten der Wirtschaft
Wir erleben nicht das Ende des Kapitalismus, sondern den Niedergang einer Inszenierung von Märkten, Freiheit und Unternehmertum

Was immer Krise für den Einzelnen bedeuten mag, zu einem führt sie garantiert: Zweifel an dem, was ist. Für diesen unguten Zustand gibt es einen passenden Spruch, den man als Haussegen unserer Zeit bezeichnen könnte: "Es gibt kein richtiges Leben im falschen." Dieser Gassenhauer von Theodor W. Adorno passt heutzutage eigentlich immer, ganz gleich, ob man sein Wochenende bei Occupy, Attac oder - ein wenig am "System" zweifelnd - in Shoppingmalls oder auf Facebook verbringt. Die Light-Variante dieses Satzes lautet "Wer sich nicht wehrt, lebt verkehrt" und gehört seit den siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts zum Glaubensbekenntnis jeder besseren Wohngemeinschaft. All das ist wieder in. Was ist das jedoch eigentlich, ein falsches Leben? Wogegen soll man sich wehren?

In der Tradition jeglicher Systemkritik wehrten sich stets die Schwachen gegen die Mächtigen, die unterdrückten Minderheiten gegen die herrschenden Mehrheiten. Aber wie ist das jetzt mit dem Kapitalismus? Der ist doch angeblich am Ende, und wenn das stimmt, und das sagen heute ja eigentlich alle, dann wären es ja auch die Kapitalisten? Und wenn man die sehr selbstbewusste Behauptung einiger Demonstranten aufgreift, die sagen, sie repräsentierten "die 99 Prozent", dann lautet der Schluss doch ohne Zweifel: Wir verfolgen eine Minderheit. Wir lassen sie nicht zu Wort kommen. Viele greifen wenige an. Und was tun die? Sie lassen es geschehen.

Die Kapitalisten schweigen zu den Vorwürfen, die ihnen die ganze Welt macht. Nur, was heißt schon Kapitalisten? Die Leute, die der Populist Sigmar Gabriel geißelt, wenn er Banker sagt und Finanzlobby, sind keineswegs Kapitalisten, sondern seinesgleichen, Manager, leitende Angestellte also, Kinder des Sozialstaates und der umfassenden politischen Regelung aller Lebensbereiche.

Echte Kapitalisten gibt es höchstens noch als ideologisches Stilmittel, sie stehen in Wahrheit längst auf der Liste der bedrohten Arten. Die Reichen, die immer reicher werden, das sind bessere Angestellte, Vertreter von Kleinanlegern, Bürokraten und Verwalter eines einst schillernden Milieus.

Die umfassende Systemkritik läuft in Wahrheit deshalb so prima, weil sich eigentlich niemand von ihr betroffen fühlt. Man kann die Probe aufs Exempel machen: Redet man vor Dax-Vorständen, Bankern, großen Mittelständlern heute von der Unmoral des Kapitals, dann wird bis zur letzten Reihe genickt. Ruft man aber die gleichen Leute auf, sich zur Marktwirtschaft zu bekennen, dann legt sich die Stirn beim Publikum in tiefe Furchen. Erst später, wenn es die anderen nicht mehr sehen und hören können, gibt es gelegentlich Zuspruch.

Das sind keine Einzelfälle, das ist die Normalität. Der Kapitalismus, das wirft man ihm vor, hat uns zwar eine dramatisch höhere Lebenserwartung und eine Vervielfachung unseres Wohlstands, aber Glück, Glück hat er uns nicht gebracht, ganz so, als ob irgendeine Ideologie, Religion, eine Herrschaftsform das liefern könnte, wofür wir selbst verantwortlich sind. Selbst als beim Weltwirtschaftstreffen in Davos in diesem Jahr von den Veranstaltern kapitalismuskritische Töne zu hören waren, reagierte die versammelte Manager-Elite nicht. Das war keine Ignoranz. Es ist einfach so: Sie fühlen sich nicht betroffen, wenn von Kapitalismus die Rede ist. Das ist nicht ihr Ding.

Antikapitalismus ist so populär, weil er wohlfeil ist. Regietheater-Bonzen und ihre Schauspieler füllen mit den Heiner Geißlers jede Talkshow und ziehen darin über ihr eigenes Publikum her - denn wenn jemand ihre Subventionsbetriebe besucht, dann doch wohl genau das Manager-Establishment, das es nach Dienstschluss halt gern ein wenig streng hat und sich ein bisschen nach der Züchtigung sehnt, die einem die "Mitarbeiter" in den nach wie vor straff hierarchisch geführten Konzernen und Ämtern verweigern.

Das ist Big Business unter sich, und Big Business, das war immer Macht plus Geld plus Ideologie. Das Management wehrt sich nicht, weil es gar nicht verkehrt lebt. Es lebt politisch, es steht längst auf der Seite des Antikapitalismus. Freie Märkte, offener freier Wettbewerb, eine Ökonomie, bei der der Bessere gewinnt - all das ist ihm bewusst Teufelszeug. Denn nur die enge Verzahnung mit der Politik und ihrer Ideologie macht diese Leute lebensfähig. Manager sind die Bürokraten der Wirtschaft, die, die alles "am Laufen" halten und die Erneuerer, die Unternehmer, fast vollständig verdrängt haben.

Es ist fast gespenstisch, wie sehr sich Joseph Schumpeters 1940 in seinem Meisterwerk "Kapitalismus, Sozialismus und Demokratie" abgegebene Prognose bewahrheitet hat, dass der Kapitalismus gerade die fördert, die an seinem Untergang arbeiten. Die Politisierung der Märkte - die damals in vollem Gang war - werde den alten Unternehmertypus, den engagierten Kapitalisten, durch einen kalten Beamten, den Manager, ersetzen, schrieb Schumpeter. Das Unternehmerische sei das eigentlich Kapitalistische. Doch gegen das Bündnis aus Politik und Management, bei dem reguliert und beherrscht wird, ist das Unternehmerische chancenlos. In der Konsumgesellschaft nach dem Zweiten Weltkrieg wurde dieses Modell zur Perfektion gebracht, das war der wahre New Deal, der sagenhafte Höhenflüge ermöglichte. Ein Schlaraffenland, ein endloses Wünsch-dir-Was, der totale Kredit, bei dem alles auf eine Karte gesetzt wird, um politisch gut dazustehen. Und die Banker lieferten gegen gute Zinsen die Kohle, mit der dieser globale Vergnügungsdampfer beheizt wurde.

Nicht eine "irrationale Logik der Märkte", wie die politische Propaganda verkündet, ist die Ursache unserer Probleme, sondern die Logik der Macht und ihrer Erhaltung, bei der die einen - die Politik - die Begehrlichkeiten bedienen, während die anderen - die Finanzindustrie und ihr Management - dafür sorgen, dass genügend Geld für diese Politik der Brot und Spiele, die euphemistisch Sozialstaat genannt wird, zur Verfügung stehen. Das steckt hinter Griechenland, Spanien, Portugal, der Immobilienkrise - nein, das steckt hinter allem, was sich im wohlanständigen Westen in den vergangenen Jahrzehnten ereignete.

Die Krisen sind das Produkt der Verflechtung von Politik und Finanzindustrie. Das ist aber keine Verschwörung, wie die zunehmende Zahl an "systemkritischen" Paranoikern glaubt, sondern das Ergebnis purer und reinster Demokratie, die allerdings im ökonomischen Bereich vollkommen bewusstlos ist. Die Zielgruppen, für die der ganze Zauber von Bankern und Politikern veranstaltet wurde, fordern selbst heute, in der tiefsten Krise, die Fortsetzung genau jener Politik. Der Circus Maximus brennt, aber das Publikum will Verlängerung. Dass Pleiten und grenzenloser Transferstaat zusammengehören, wird verdrängt. Das kann man in allen Sprachen sagen, auch in Deutsch übrigens.

Diese Liaison dangereuse ist nicht neu. Zwischen den Fuggern und den Lehman Brothers liegen 500 Jahre und keine Erkenntnis. Die Fugger, Linie vom Reh, finanzierten den Aufstieg des ehrgeizigen Habsburgers Maximilian, der römisch-deutscher Kaiser werden wollte. Damals wie heute gelang das durch den Kauf der Wahlberechtigten, der Kurfürsten - im Vergleich zu den heute Anspruchsberechtigten eine überschaubare Gruppe. Als der Kredit fällig wurde, konnte und wollte der nunmehrige Kaiser Maximilian nicht zahlen. Die Fugger vom Reh gingen pleite. Und dann?

Dann übernahmen die Fugger von der Lilie, die Augsburger. Was machte Jakob Fugger anders als seine Cousins? Er verlangte politischen Einfluss. Die Fugger schrieben sich ihre Gesetze selbst, sie machten die Regeln, und der Aufstieg der Habsburger und der Aufstieg der Banker war eins. In diesem frühen Staatsmonopolkapitalismus waren alle Elemente von heute bereits vorhanden. Big Business, das den freien Wettbewerb, die Konkurrenz, jede Alternative gründlich ruinierte, und all die Banken und Konzerne und Politiker können und wollen bis heute nichts anderes.

Den Kapitalismus, den niemand verteidigen mag, den kennen wir indes immer noch nicht. Wir beschimpfen etwas, was uns zutiefst fremd ist.


Wir sagen Kapitalismus und Markt und meinen das Big Business, dessen Zeiten zu Ende gehen. Die größte Krise aller Zeiten wird mit den Mitteln bekämpft, durch die sie entstanden ist, mit der größten Verschuldung aller Zeiten. Der lange Marsch durch Politik, paternalistischem Fürsorgestaat und Finanzindustrie kommt damit unweigerlich an sein Ende. Schade, dass Schumpeter nicht mehr erleben darf, wie die scheinbaren Bezwinger des Kapitalismus an ihren eigenen Methoden untergehen. Nicht das Ende des Kapitalismus erleben wir, sondern nur den Niedergang einer Inszenierung von Wirtschaft, Märkten, Freiheit und Unternehmertum.

Man wird, vielleicht noch in diesem Jahr, in dem sich sein hundertster Geburtstag jährt, wieder an Milton Friedman denken müssen, der den Unterschied zwischen dieser Machtwirtschaft und dem zu einer offenen Gesellschaft gehörenden Unternehmertum kannte. "I am not pro business. I am pro free enterprise, which is a different thing." Anders also, aber nicht falsch, im Gegenteil.


Dieser Bericht verdeutlicht sehr schön meine Bedenken, die ich bzgl. der immer wieder von links geforderten Stärkung von Staat und Politik in wirtschaftlichen Fragen hege.
Der Versuch, den Teufel mit dem Beelzebub auszutreiben, war noch nie sinnvoll.

Viele Grüße
gh

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Zuletzt geändert von geradeheraus am 24 Sep 2012 10:22, insgesamt 1-mal geändert.

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 Betreff des Beitrags: Re: Der Kapitalismus als Wurzel allen Übels?
BeitragVerfasst: 24 Sep 2012 10:20 
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geradeheraus hat geschrieben:
Anbei ein Artikel von Wolf Lotter in der FAZ vom 29.9.12, dessen Lektüre ich empfehlen möchte.

ich grübele ein wenig, wir haben erst den 24.09.2012 :hmm:

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I'm tapping in the dusternis

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 Betreff des Beitrags: Re: Der Kapitalismus als Wurzel allen Übels?
BeitragVerfasst: 24 Sep 2012 10:23 
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teddy hat geschrieben:
geradeheraus hat geschrieben:
Anbei ein Artikel von Wolf Lotter in der FAZ vom 29.9.12, dessen Lektüre ich empfehlen möchte.

ich grübele ein wenig, wir haben erst den 24.09.2012 :hmm:

uuuhps, korrigiert :oops:

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 Betreff des Beitrags: Re: Der Kapitalismus als Wurzel allen Übels?
BeitragVerfasst: 24 Sep 2012 11:08 
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geradeheraus hat geschrieben:
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Ein lesenswerter Bericht der sich kritisch mit Macht und Kapitalismus auseinandersetzt, ohne als typisch ideologisch motivierter, sträflich vereinfachender Antikapitalismus daherzukommen.
Da der Text leider nicht mehr online ist, poste ich ihn hier in Gänze

FAS, 23.9.12, Wolf Lotter hat geschrieben:
Die Bürokraten der Wirtschaft
Wir erleben nicht das Ende des Kapitalismus, sondern den Niedergang einer Inszenierung von Märkten, Freiheit und Unternehmertum

Was immer Krise für den Einzelnen bedeuten mag, zu einem führt sie garantiert: Zweifel an dem, was ist. Für diesen unguten Zustand gibt es einen passenden Spruch, den man als Haussegen unserer Zeit bezeichnen könnte: "Es gibt kein richtiges Leben im falschen." Dieser Gassenhauer von Theodor W. Adorno passt heutzutage eigentlich immer, ganz gleich, ob man sein Wochenende bei Occupy, Attac oder - ein wenig am "System" zweifelnd - in Shoppingmalls oder auf Facebook verbringt. Die Light-Variante dieses Satzes lautet "Wer sich nicht wehrt, lebt verkehrt" und gehört seit den siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts zum Glaubensbekenntnis jeder besseren Wohngemeinschaft. All das ist wieder in. Was ist das jedoch eigentlich, ein falsches Leben? Wogegen soll man sich wehren?

In der Tradition jeglicher Systemkritik wehrten sich stets die Schwachen gegen die Mächtigen, die unterdrückten Minderheiten gegen die herrschenden Mehrheiten. Aber wie ist das jetzt mit dem Kapitalismus? Der ist doch angeblich am Ende, und wenn das stimmt, und das sagen heute ja eigentlich alle, dann wären es ja auch die Kapitalisten? Und wenn man die sehr selbstbewusste Behauptung einiger Demonstranten aufgreift, die sagen, sie repräsentierten "die 99 Prozent", dann lautet der Schluss doch ohne Zweifel: Wir verfolgen eine Minderheit. Wir lassen sie nicht zu Wort kommen. Viele greifen wenige an. Und was tun die? Sie lassen es geschehen.

Die Kapitalisten schweigen zu den Vorwürfen, die ihnen die ganze Welt macht. Nur, was heißt schon Kapitalisten? Die Leute, die der Populist Sigmar Gabriel geißelt, wenn er Banker sagt und Finanzlobby, sind keineswegs Kapitalisten, sondern seinesgleichen, Manager, leitende Angestellte also, Kinder des Sozialstaates und der umfassenden politischen Regelung aller Lebensbereiche.

Echte Kapitalisten gibt es höchstens noch als ideologisches Stilmittel, sie stehen in Wahrheit längst auf der Liste der bedrohten Arten. Die Reichen, die immer reicher werden, das sind bessere Angestellte, Vertreter von Kleinanlegern, Bürokraten und Verwalter eines einst schillernden Milieus.

Die umfassende Systemkritik läuft in Wahrheit deshalb so prima, weil sich eigentlich niemand von ihr betroffen fühlt. Man kann die Probe aufs Exempel machen: Redet man vor Dax-Vorständen, Bankern, großen Mittelständlern heute von der Unmoral des Kapitals, dann wird bis zur letzten Reihe genickt. Ruft man aber die gleichen Leute auf, sich zur Marktwirtschaft zu bekennen, dann legt sich die Stirn beim Publikum in tiefe Furchen. Erst später, wenn es die anderen nicht mehr sehen und hören können, gibt es gelegentlich Zuspruch.

Das sind keine Einzelfälle, das ist die Normalität. Der Kapitalismus, das wirft man ihm vor, hat uns zwar eine dramatisch höhere Lebenserwartung und eine Vervielfachung unseres Wohlstands, aber Glück, Glück hat er uns nicht gebracht, ganz so, als ob irgendeine Ideologie, Religion, eine Herrschaftsform das liefern könnte, wofür wir selbst verantwortlich sind. Selbst als beim Weltwirtschaftstreffen in Davos in diesem Jahr von den Veranstaltern kapitalismuskritische Töne zu hören waren, reagierte die versammelte Manager-Elite nicht. Das war keine Ignoranz. Es ist einfach so: Sie fühlen sich nicht betroffen, wenn von Kapitalismus die Rede ist. Das ist nicht ihr Ding.

Antikapitalismus ist so populär, weil er wohlfeil ist. Regietheater-Bonzen und ihre Schauspieler füllen mit den Heiner Geißlers jede Talkshow und ziehen darin über ihr eigenes Publikum her - denn wenn jemand ihre Subventionsbetriebe besucht, dann doch wohl genau das Manager-Establishment, das es nach Dienstschluss halt gern ein wenig streng hat und sich ein bisschen nach der Züchtigung sehnt, die einem die "Mitarbeiter" in den nach wie vor straff hierarchisch geführten Konzernen und Ämtern verweigern.

Das ist Big Business unter sich, und Big Business, das war immer Macht plus Geld plus Ideologie. Das Management wehrt sich nicht, weil es gar nicht verkehrt lebt. Es lebt politisch, es steht längst auf der Seite des Antikapitalismus. Freie Märkte, offener freier Wettbewerb, eine Ökonomie, bei der der Bessere gewinnt - all das ist ihm bewusst Teufelszeug. Denn nur die enge Verzahnung mit der Politik und ihrer Ideologie macht diese Leute lebensfähig. Manager sind die Bürokraten der Wirtschaft, die, die alles "am Laufen" halten und die Erneuerer, die Unternehmer, fast vollständig verdrängt haben.

Es ist fast gespenstisch, wie sehr sich Joseph Schumpeters 1940 in seinem Meisterwerk "Kapitalismus, Sozialismus und Demokratie" abgegebene Prognose bewahrheitet hat, dass der Kapitalismus gerade die fördert, die an seinem Untergang arbeiten. Die Politisierung der Märkte - die damals in vollem Gang war - werde den alten Unternehmertypus, den engagierten Kapitalisten, durch einen kalten Beamten, den Manager, ersetzen, schrieb Schumpeter. Das Unternehmerische sei das eigentlich Kapitalistische. Doch gegen das Bündnis aus Politik und Management, bei dem reguliert und beherrscht wird, ist das Unternehmerische chancenlos. In der Konsumgesellschaft nach dem Zweiten Weltkrieg wurde dieses Modell zur Perfektion gebracht, das war der wahre New Deal, der sagenhafte Höhenflüge ermöglichte. Ein Schlaraffenland, ein endloses Wünsch-dir-Was, der totale Kredit, bei dem alles auf eine Karte gesetzt wird, um politisch gut dazustehen. Und die Banker lieferten gegen gute Zinsen die Kohle, mit der dieser globale Vergnügungsdampfer beheizt wurde.

Nicht eine "irrationale Logik der Märkte", wie die politische Propaganda verkündet, ist die Ursache unserer Probleme, sondern die Logik der Macht und ihrer Erhaltung, bei der die einen - die Politik - die Begehrlichkeiten bedienen, während die anderen - die Finanzindustrie und ihr Management - dafür sorgen, dass genügend Geld für diese Politik der Brot und Spiele, die euphemistisch Sozialstaat genannt wird, zur Verfügung stehen. Das steckt hinter Griechenland, Spanien, Portugal, der Immobilienkrise - nein, das steckt hinter allem, was sich im wohlanständigen Westen in den vergangenen Jahrzehnten ereignete.

Die Krisen sind das Produkt der Verflechtung von Politik und Finanzindustrie. Das ist aber keine Verschwörung, wie die zunehmende Zahl an "systemkritischen" Paranoikern glaubt, sondern das Ergebnis purer und reinster Demokratie, die allerdings im ökonomischen Bereich vollkommen bewusstlos ist. Die Zielgruppen, für die der ganze Zauber von Bankern und Politikern veranstaltet wurde, fordern selbst heute, in der tiefsten Krise, die Fortsetzung genau jener Politik. Der Circus Maximus brennt, aber das Publikum will Verlängerung. Dass Pleiten und grenzenloser Transferstaat zusammengehören, wird verdrängt. Das kann man in allen Sprachen sagen, auch in Deutsch übrigens.

Diese Liaison dangereuse ist nicht neu. Zwischen den Fuggern und den Lehman Brothers liegen 500 Jahre und keine Erkenntnis. Die Fugger, Linie vom Reh, finanzierten den Aufstieg des ehrgeizigen Habsburgers Maximilian, der römisch-deutscher Kaiser werden wollte. Damals wie heute gelang das durch den Kauf der Wahlberechtigten, der Kurfürsten - im Vergleich zu den heute Anspruchsberechtigten eine überschaubare Gruppe. Als der Kredit fällig wurde, konnte und wollte der nunmehrige Kaiser Maximilian nicht zahlen. Die Fugger vom Reh gingen pleite. Und dann?

Dann übernahmen die Fugger von der Lilie, die Augsburger. Was machte Jakob Fugger anders als seine Cousins? Er verlangte politischen Einfluss. Die Fugger schrieben sich ihre Gesetze selbst, sie machten die Regeln, und der Aufstieg der Habsburger und der Aufstieg der Banker war eins. In diesem frühen Staatsmonopolkapitalismus waren alle Elemente von heute bereits vorhanden. Big Business, das den freien Wettbewerb, die Konkurrenz, jede Alternative gründlich ruinierte, und all die Banken und Konzerne und Politiker können und wollen bis heute nichts anderes.

Den Kapitalismus, den niemand verteidigen mag, den kennen wir indes immer noch nicht. Wir beschimpfen etwas, was uns zutiefst fremd ist.


Wir sagen Kapitalismus und Markt und meinen das Big Business, dessen Zeiten zu Ende gehen. Die größte Krise aller Zeiten wird mit den Mitteln bekämpft, durch die sie entstanden ist, mit der größten Verschuldung aller Zeiten. Der lange Marsch durch Politik, paternalistischem Fürsorgestaat und Finanzindustrie kommt damit unweigerlich an sein Ende. Schade, dass Schumpeter nicht mehr erleben darf, wie die scheinbaren Bezwinger des Kapitalismus an ihren eigenen Methoden untergehen. Nicht das Ende des Kapitalismus erleben wir, sondern nur den Niedergang einer Inszenierung von Wirtschaft, Märkten, Freiheit und Unternehmertum.

Man wird, vielleicht noch in diesem Jahr, in dem sich sein hundertster Geburtstag jährt, wieder an Milton Friedman denken müssen, der den Unterschied zwischen dieser Machtwirtschaft und dem zu einer offenen Gesellschaft gehörenden Unternehmertum kannte. "I am not pro business. I am pro free enterprise, which is a different thing." Anders also, aber nicht falsch, im Gegenteil.


Dieser Bericht verdeutlicht sehr schön meine Bedenken, die ich bzgl. der immer wieder von links geforderten Stärkung von Staat und Politik in wirtschaftlichen Fragen hege.
Der Versuch, den Teufel mit dem Beelzebub auszutreiben, war noch nie sinnvoll.

Viele Grüße
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Es ist doch recht merkwürdig: warum wohl ist der Artikel schon am nächsten Tag nach seinem Erscheinen (am 23.9.12) online nicht mehr abrufbar - nicht mal gegen Bezahlung? Wech, einfach wech!

Naja, also, der Wolf Lotter, der 2006 schrieb - nicht kritisch, sondern vehement propagierend:

"Verschwendung ist die Grundlage des Konsumismus, der wichtigsten wirtschaftlichen Kraft unserer Zeit."
"Konsum ist die treibende Kraft der Welt geworden, und Konsum ist nichts anderes als pure, permanente Verschwendung."

Verschwendung - Wirtschaft braucht Überfluss

Würde mich mal interessieren, wie Lotter heute - sechs Jahre später - zu seinen damaligen Weisheiten steht. Wer jemals so einen Mist geschrieben hat, dessen Artikel lese ich gar nicht erst, weil ich ihn nicht ernst nehmen kann.


Zuletzt geändert von SolaBona am 24 Sep 2012 11:32, insgesamt 1-mal geändert.

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 Betreff des Beitrags: Re: Der Kapitalismus als Wurzel allen Übels?
BeitragVerfasst: 24 Sep 2012 11:31 
geradeheraus hat geschrieben:
Anbei ein Artikel von Wolf Lotter in der FAZ vom 23.9.12, dessen Lektüre ich empfehlen möchte.
Ein lesenswerter Bericht der sich kritisch mit Macht und Kapitalismus auseinandersetzt, ohne als typisch ideologisch motivierter, sträflich vereinfachender Antikapitalismus daherzukommen.
Da der Text leider nicht mehr online ist, poste ich ihn hier in Gänze

FAS, 23.9.12, Wolf Lotter hat geschrieben:
Die Bürokraten der Wirtschaft
Wir erleben nicht das Ende des Kapitalismus, sondern den Niedergang einer Inszenierung von Märkten, Freiheit und Unternehmertum

Was immer Krise für den Einzelnen bedeuten mag, zu einem führt sie garantiert: Zweifel an dem, was ist. Für diesen unguten Zustand gibt es einen passenden Spruch, den man als Haussegen unserer Zeit bezeichnen könnte: "Es gibt kein richtiges Leben im falschen." Dieser Gassenhauer von Theodor W. Adorno passt heutzutage eigentlich immer, ganz gleich, ob man sein Wochenende bei Occupy, Attac oder - ein wenig am "System" zweifelnd - in Shoppingmalls oder auf Facebook verbringt. Die Light-Variante dieses Satzes lautet "Wer sich nicht wehrt, lebt verkehrt" und gehört seit den siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts zum Glaubensbekenntnis jeder besseren Wohngemeinschaft. All das ist wieder in. Was ist das jedoch eigentlich, ein falsches Leben? Wogegen soll man sich wehren?

In der Tradition jeglicher Systemkritik wehrten sich stets die Schwachen gegen die Mächtigen, die unterdrückten Minderheiten gegen die herrschenden Mehrheiten. Aber wie ist das jetzt mit dem Kapitalismus? Der ist doch angeblich am Ende, und wenn das stimmt, und das sagen heute ja eigentlich alle, dann wären es ja auch die Kapitalisten? Und wenn man die sehr selbstbewusste Behauptung einiger Demonstranten aufgreift, die sagen, sie repräsentierten "die 99 Prozent", dann lautet der Schluss doch ohne Zweifel: Wir verfolgen eine Minderheit. Wir lassen sie nicht zu Wort kommen. Viele greifen wenige an. Und was tun die? Sie lassen es geschehen.

Die Kapitalisten schweigen zu den Vorwürfen, die ihnen die ganze Welt macht. Nur, was heißt schon Kapitalisten? Die Leute, die der Populist Sigmar Gabriel geißelt, wenn er Banker sagt und Finanzlobby, sind keineswegs Kapitalisten, sondern seinesgleichen, Manager, leitende Angestellte also, Kinder des Sozialstaates und der umfassenden politischen Regelung aller Lebensbereiche.

Echte Kapitalisten gibt es höchstens noch als ideologisches Stilmittel, sie stehen in Wahrheit längst auf der Liste der bedrohten Arten. Die Reichen, die immer reicher werden, das sind bessere Angestellte, Vertreter von Kleinanlegern, Bürokraten und Verwalter eines einst schillernden Milieus.

Die umfassende Systemkritik läuft in Wahrheit deshalb so prima, weil sich eigentlich niemand von ihr betroffen fühlt. Man kann die Probe aufs Exempel machen: Redet man vor Dax-Vorständen, Bankern, großen Mittelständlern heute von der Unmoral des Kapitals, dann wird bis zur letzten Reihe genickt. Ruft man aber die gleichen Leute auf, sich zur Marktwirtschaft zu bekennen, dann legt sich die Stirn beim Publikum in tiefe Furchen. Erst später, wenn es die anderen nicht mehr sehen und hören können, gibt es gelegentlich Zuspruch.

Das sind keine Einzelfälle, das ist die Normalität. Der Kapitalismus, das wirft man ihm vor, hat uns zwar eine dramatisch höhere Lebenserwartung und eine Vervielfachung unseres Wohlstands, aber Glück, Glück hat er uns nicht gebracht, ganz so, als ob irgendeine Ideologie, Religion, eine Herrschaftsform das liefern könnte, wofür wir selbst verantwortlich sind. Selbst als beim Weltwirtschaftstreffen in Davos in diesem Jahr von den Veranstaltern kapitalismuskritische Töne zu hören waren, reagierte die versammelte Manager-Elite nicht. Das war keine Ignoranz. Es ist einfach so: Sie fühlen sich nicht betroffen, wenn von Kapitalismus die Rede ist. Das ist nicht ihr Ding.

Antikapitalismus ist so populär, weil er wohlfeil ist. Regietheater-Bonzen und ihre Schauspieler füllen mit den Heiner Geißlers jede Talkshow und ziehen darin über ihr eigenes Publikum her - denn wenn jemand ihre Subventionsbetriebe besucht, dann doch wohl genau das Manager-Establishment, das es nach Dienstschluss halt gern ein wenig streng hat und sich ein bisschen nach der Züchtigung sehnt, die einem die "Mitarbeiter" in den nach wie vor straff hierarchisch geführten Konzernen und Ämtern verweigern.

Das ist Big Business unter sich, und Big Business, das war immer Macht plus Geld plus Ideologie. Das Management wehrt sich nicht, weil es gar nicht verkehrt lebt. Es lebt politisch, es steht längst auf der Seite des Antikapitalismus. Freie Märkte, offener freier Wettbewerb, eine Ökonomie, bei der der Bessere gewinnt - all das ist ihm bewusst Teufelszeug. Denn nur die enge Verzahnung mit der Politik und ihrer Ideologie macht diese Leute lebensfähig. Manager sind die Bürokraten der Wirtschaft, die, die alles "am Laufen" halten und die Erneuerer, die Unternehmer, fast vollständig verdrängt haben.

Es ist fast gespenstisch, wie sehr sich Joseph Schumpeters 1940 in seinem Meisterwerk "Kapitalismus, Sozialismus und Demokratie" abgegebene Prognose bewahrheitet hat, dass der Kapitalismus gerade die fördert, die an seinem Untergang arbeiten. Die Politisierung der Märkte - die damals in vollem Gang war - werde den alten Unternehmertypus, den engagierten Kapitalisten, durch einen kalten Beamten, den Manager, ersetzen, schrieb Schumpeter. Das Unternehmerische sei das eigentlich Kapitalistische. Doch gegen das Bündnis aus Politik und Management, bei dem reguliert und beherrscht wird, ist das Unternehmerische chancenlos. In der Konsumgesellschaft nach dem Zweiten Weltkrieg wurde dieses Modell zur Perfektion gebracht, das war der wahre New Deal, der sagenhafte Höhenflüge ermöglichte. Ein Schlaraffenland, ein endloses Wünsch-dir-Was, der totale Kredit, bei dem alles auf eine Karte gesetzt wird, um politisch gut dazustehen. Und die Banker lieferten gegen gute Zinsen die Kohle, mit der dieser globale Vergnügungsdampfer beheizt wurde.

Nicht eine "irrationale Logik der Märkte", wie die politische Propaganda verkündet, ist die Ursache unserer Probleme, sondern die Logik der Macht und ihrer Erhaltung, bei der die einen - die Politik - die Begehrlichkeiten bedienen, während die anderen - die Finanzindustrie und ihr Management - dafür sorgen, dass genügend Geld für diese Politik der Brot und Spiele, die euphemistisch Sozialstaat genannt wird, zur Verfügung stehen. Das steckt hinter Griechenland, Spanien, Portugal, der Immobilienkrise - nein, das steckt hinter allem, was sich im wohlanständigen Westen in den vergangenen Jahrzehnten ereignete.

Die Krisen sind das Produkt der Verflechtung von Politik und Finanzindustrie. Das ist aber keine Verschwörung, wie die zunehmende Zahl an "systemkritischen" Paranoikern glaubt, sondern das Ergebnis purer und reinster Demokratie, die allerdings im ökonomischen Bereich vollkommen bewusstlos ist. Die Zielgruppen, für die der ganze Zauber von Bankern und Politikern veranstaltet wurde, fordern selbst heute, in der tiefsten Krise, die Fortsetzung genau jener Politik. Der Circus Maximus brennt, aber das Publikum will Verlängerung. Dass Pleiten und grenzenloser Transferstaat zusammengehören, wird verdrängt. Das kann man in allen Sprachen sagen, auch in Deutsch übrigens.

Diese Liaison dangereuse ist nicht neu. Zwischen den Fuggern und den Lehman Brothers liegen 500 Jahre und keine Erkenntnis. Die Fugger, Linie vom Reh, finanzierten den Aufstieg des ehrgeizigen Habsburgers Maximilian, der römisch-deutscher Kaiser werden wollte. Damals wie heute gelang das durch den Kauf der Wahlberechtigten, der Kurfürsten - im Vergleich zu den heute Anspruchsberechtigten eine überschaubare Gruppe. Als der Kredit fällig wurde, konnte und wollte der nunmehrige Kaiser Maximilian nicht zahlen. Die Fugger vom Reh gingen pleite. Und dann?

Dann übernahmen die Fugger von der Lilie, die Augsburger. Was machte Jakob Fugger anders als seine Cousins? Er verlangte politischen Einfluss. Die Fugger schrieben sich ihre Gesetze selbst, sie machten die Regeln, und der Aufstieg der Habsburger und der Aufstieg der Banker war eins. In diesem frühen Staatsmonopolkapitalismus waren alle Elemente von heute bereits vorhanden. Big Business, das den freien Wettbewerb, die Konkurrenz, jede Alternative gründlich ruinierte, und all die Banken und Konzerne und Politiker können und wollen bis heute nichts anderes.

Den Kapitalismus, den niemand verteidigen mag, den kennen wir indes immer noch nicht. Wir beschimpfen etwas, was uns zutiefst fremd ist.


Wir sagen Kapitalismus und Markt und meinen das Big Business, dessen Zeiten zu Ende gehen. Die größte Krise aller Zeiten wird mit den Mitteln bekämpft, durch die sie entstanden ist, mit der größten Verschuldung aller Zeiten. Der lange Marsch durch Politik, paternalistischem Fürsorgestaat und Finanzindustrie kommt damit unweigerlich an sein Ende. Schade, dass Schumpeter nicht mehr erleben darf, wie die scheinbaren Bezwinger des Kapitalismus an ihren eigenen Methoden untergehen. Nicht das Ende des Kapitalismus erleben wir, sondern nur den Niedergang einer Inszenierung von Wirtschaft, Märkten, Freiheit und Unternehmertum.

Man wird, vielleicht noch in diesem Jahr, in dem sich sein hundertster Geburtstag jährt, wieder an Milton Friedman denken müssen, der den Unterschied zwischen dieser Machtwirtschaft und dem zu einer offenen Gesellschaft gehörenden Unternehmertum kannte. "I am not pro business. I am pro free enterprise, which is a different thing." Anders also, aber nicht falsch, im Gegenteil.


Dieser Bericht verdeutlicht sehr schön meine Bedenken, die ich bzgl. der immer wieder von links geforderten Stärkung von Staat und Politik in wirtschaftlichen Fragen hege.
Der Versuch, den Teufel mit dem Beelzebub auszutreiben, war noch nie sinnvoll.

Viele Grüße
gh


Ein sehr schöner Beitrag von Lotter, den ich auch schon posten wollte.

Er zeigt deutlich, dass die linke Behauptung von den angeblich unregulierten Märkten und dem grenzenlosen Kapitalismus völliger Blödsinn ist. Wir bewegen uns innerhalb extrem regulierter Grenzen. Wer Freiheit fordert, wird als "Neo-konservativ" betitelt und nach Möglichkeit verunglimpft.

Es ist in der Tat insoweit traurig, dass sich nur wenige Menschen trauen, offen dagegenzuhalten. Das liegt leider daran, dass die Öffentlichkeit geradezu links gleichgeschaltet ist. Nach dem Motto: wer Gleichheit und Gerechtigkeit fordert (egal mit welchen unfreien und enteignenden Mitteln das bewirkt werden soll) gilt als "gut", wer auf Eigenverantwortung der Menschen und Freiheit hindrängt gilt als böse. Eine ziemlich schlimme Entwicklung, bei der die Presse in den letzten Jahren durch das Niederschreiben der FDP heftigst mitgespielt hat.

Art. 1, 2, 12 und 14 GG garantieren persönliche Freiheit, Berufsfreiheit und Eigentumsrechte. DAS sind wesentliche Merkmale unserer Gesellschaft, und sie sind Merkmale, die eine freie Marktwirschaft fordern. Darauf sollte sich die Politik besinnen. Umverteilen kann man nur, was vorher verdient wurde. Die umverteilenden Gesellschaften, in denen nichts erwirtschaftet wurde, sind 1989 krachend gescheitert.


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...
Es ist doch recht merkwürdig: warum wohl ist der Artikel schon am nächsten Tag nach seinem Erscheinen (am 23.9.12) online nicht mehr abrufbar - nicht mal gegen Bezahlung? Wech, einfach wech!

Naja, also, der Wolf Lotter, der 2006 schrieb - nicht kritisch, sondern vehement propagierend:

"Verschwendung ist die Grundlage des Konsumismus, der wichtigsten wirtschaftlichen Kraft unserer Zeit."
"Konsum ist die treibende Kraft der Welt geworden, und Konsum ist nichts anderes als pure, permanente Verschwendung."

Verschwendung - Wirtschaft braucht Überfluss

Würde mich mal interessieren, wie Lotter heute - sechs Jahre später - zu seinen damaligen Weisheiten steht. Wer jemals so einen Mist geschrieben hat, dessen Artikel lese ich gar nicht erst, weil ich ihn nicht ernst nehmen kann.

Nun, SolaBona, Du irrst, und zwar gründlich!
Der Bericht ist sehr wohl online verfügbar. Im FAZ-Archiv kannst Du ihn nachlesen. Hier allerdings kostenpflichtig, wenigsten für nicht registrierte Leser.
Du solltest Dich erst informieren, bevor Du ein Fass aufmachst!

Wie ich Deiner Antwort ansonsten entnehme, hast Du inhaltlich nichts beizutragen. Dies ist gleich doppelt bedenklich. Einerseits als Sachverhalt und andererseits, weil Dich das nicht zurückhält, trotzdem zu antworten. Schlimmer noch, Du wählst gleich den Verriss, ohne den Beitrag überhaupt gelesen zu haben (wie Du selbst schreibst).

Naja, auch egal. Auf diese Art der „inhaltlichen“ Auseinandersetzung kann ich gut verzichten. Du musst Dir also nicht die Mühe machen....

Viele Grüße
gh

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 Betreff des Beitrags: Re: Der Kapitalismus als Wurzel allen Übels?
BeitragVerfasst: 24 Sep 2012 13:04 
geradeheraus hat geschrieben:
Naja, auch egal. Auf diese Art der „inhaltlichen“ Auseinandersetzung kann ich gut verzichten. Du musst Dir also nicht die Mühe machen....

Na ja gh, in diesem Artikel ist nichts von Selbstkritik an unserem Raubtierkapitalismus zu lesen. Wenn Herr Lotter vor 6 Jahren schrieb, dass Wirtschaft Überfluss braucht, war er natürlich genau auf der Linie derer, die ewiges Wachstum gepredigt haben. Wozu das führt wird uns so langsam klar. Die Ressourcen werden und wurden auf Kosten der Umwelt, der Natur und der Menschen in einem extrem schnellen Tempo verbraucht. Ölkonzerne machen ganze Landstriche beispielsweise in Afrika unbewohnbar. Insbesondere die USA wollen für diese Ressourcen nichts bezahlen und überfallen deswegen andere Länder. Anstatt zu korrigieren wird munter mit der Ausbeutung der Natur weiter gemacht und der schnelle Profit an die erste Stelle des Denkens und Handelns gesetzt. Warum wird für Öl nicht eine Alternative gesucht, anstatt deswegen blutige und kostenreiche Kriege zu führen?
Wie es gerade passt werden mit jedwedem Regime Geschäfte gemacht, Länder die dieser grenzenlosen Profitgier im Wege stehen, werden niedergemacht und mit Lügen und Gewalt zugesetzt. Soll das die Zukunft sein, in der die Menschen zusammenleben wollen?
Den Kapitalismus den ich kenne, existiert schon lange nicht mehr. Auf Grund unseres perversen Finanzsystems werden Länder in den Ruin getrieben, die Präsidenten durch Banker ersetzt, die der Finanzmafia zu Diensten sind.
Es wurde den Menschen, insbesondere in den USA vorgegaukelt, dass Konsum und Geld das einzige erstrebenswerte Ziel auf dieser Erde ist. Arbeitsplätze wurden in Billiglohnländer exportiert und heute ist die Wirtschaftskraft der USA zu 70 Prozent von Konsum abhängig. Dieser wird vorwiegend dadurch finanziert, dass man dem Ausland Ramschpapiere verkauft.
Eine Billion US-Dollar werden weltweit für Rüstung ausgegeben. Die USA haben daran einen Anteil von 70 Prozent. Rüstungsgüter sind unproduktiv, weil sie nicht im Wirtschaftskreislauf bleiben. Anstatt diesen Planeten smarter zu machen hat sich die Finanzmafia deren Zerstörung auf die Fahnen geschrieben. Wenn das Kapitalismus sein soll, dann gute Nacht.
Fazer macht mit seinen dummen Bemerkungen über Sozialismus den ganzen Braten noch fett, in dem er diese Fakten einfach ausblendet und mit einem weiter so seine korrupte Einstellung zum Ausdruck bringt.


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 Betreff des Beitrags: Re: Der Kapitalismus als Wurzel allen Übels?
BeitragVerfasst: 24 Sep 2012 16:39 
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JoJo hat geschrieben:
geradeheraus hat geschrieben:
Naja, auch egal. Auf diese Art der „inhaltlichen“ Auseinandersetzung kann ich gut verzichten. Du musst Dir also nicht die Mühe machen....

Na ja gh, in diesem Artikel ist nichts von Selbstkritik an unserem Raubtierkapitalismus zu lesen. Wenn Herr Lotter vor 6 Jahren schrieb, dass Wirtschaft Überfluss braucht, war er natürlich genau auf der Linie derer, die ewiges Wachstum gepredigt haben. Wozu das führt wird uns so langsam klar. Die Ressourcen werden und wurden auf Kosten der Umwelt, der Natur und der Menschen in einem extrem schnellen Tempo verbraucht. Ölkonzerne machen ganze Landstriche beispielsweise in Afrika unbewohnbar. Insbesondere die USA wollen für diese Ressourcen nichts bezahlen und überfallen deswegen andere Länder. Anstatt zu korrigieren wird munter mit der Ausbeutung der Natur weiter gemacht und der schnelle Profit an die erste Stelle des Denkens und Handelns gesetzt. Warum wird für Öl nicht eine Alternative gesucht, anstatt deswegen blutige und kostenreiche Kriege zu führen?
Wie es gerade passt werden mit jedwedem Regime Geschäfte gemacht, Länder die dieser grenzenlosen Profitgier im Wege stehen, werden niedergemacht und mit Lügen und Gewalt zugesetzt. Soll das die Zukunft sein, in der die Menschen zusammenleben wollen?
Den Kapitalismus den ich kenne, existiert schon lange nicht mehr. Auf Grund unseres perversen Finanzsystems werden Länder in den Ruin getrieben, die Präsidenten durch Banker ersetzt, die der Finanzmafia zu Diensten sind.
Es wurde den Menschen, insbesondere in den USA vorgegaukelt, dass Konsum und Geld das einzige erstrebenswerte Ziel auf dieser Erde ist. Arbeitsplätze wurden in Billiglohnländer exportiert und heute ist die Wirtschaftskraft der USA zu 70 Prozent von Konsum abhängig. Dieser wird vorwiegend dadurch finanziert, dass man dem Ausland Ramschpapiere verkauft.
Eine Billion US-Dollar werden weltweit für Rüstung ausgegeben. Die USA haben daran einen Anteil von 70 Prozent. Rüstungsgüter sind unproduktiv, weil sie nicht im Wirtschaftskreislauf bleiben. Anstatt diesen Planeten smarter zu machen hat sich die Finanzmafia deren Zerstörung auf die Fahnen geschrieben. Wenn das Kapitalismus sein soll, dann gute Nacht.
Fazer macht mit seinen dummen Bemerkungen über Sozialismus den ganzen Braten noch fett, in dem er diese Fakten einfach ausblendet und mit einem weiter so seine korrupte Einstellung zum Ausdruck bringt.

Nun, JoJo, die Kritik an Umweltzerstörung, der schonungslosen Ressourcenausbeute und an den Machenschaften in Sachen Rüstung ist natürlich grundsätzlich begründet. Du findest sicherlich niemanden, der sich diesbezüglich gegenteilig positionieren würde.
Ich bin im Gegensatz zu Dir jedoch nicht der Meinung, dass dies allein dem Kapitalismus zuzuordnen sei.
Schau Dir an, was diesbezüglich beispielsweise in China und Russland abgeht, und Du dort wirst katastrophale Zustände (Umwelt, Rüstung, Menschenverachtung) vorfinden, insbesondere in Diktaturen, denen die Bevölkerung am A… vorbeigeht. Sicherlich nicht besser als in den von Dir stets angeprangerten Gesellschaftsformen.

In dem gelieferten Bericht geht es jedoch primär um ein anderes Thema, nämlich um die unheimliche Allianz von Bürokratie (Politik) und Wirtschaft. Die entsprechenden Passagen habe ich fett hervorgehoben (ich muss sie daher nicht erneut erwähnen) und außerdem bin ich genau hierauf in meinen Schlusssätzen eingegangen.
Leider gehst Du auf diese Logik aus Macht und deren Erhaltung, für die neben der ausgeuferten Finanzindustrie in meinen Augen die Politik eine wesentliche treibende Kraft ist, mit keiner Silbe ein.
Es stellt sich die Frage, warum?
Ich stelle zur Debatte, ob die Märkte nicht etwa irrational sind, sondern vielmehr dem Diktat der tief verstrickten Politik folgen. Die weltweite Politik (jeglicher Couleur) ist gebannt von der Darbietung der Füllhörner und der angesichts der damit verbundenen Macht – und hat versäumt (die Notwendigkeit verkannt) Regularien zu entwickeln, um ein Ausufern zu vermeiden. Die globale Entwicklung zeigt nun die Konsequenzen und Grenzen mehr als deutlich auf.
Die Zeit ist überfällig, hieran global gemeinsam zu arbeiten, keine Frage. Ein Stück des Weges wird in meinen Augen sicherlich in der Größenbegrenzung multinationaler Konzerne liegen (viel zu lange hat man auf die Vorzüge der economy of scale geschielt – und die Nachteile vergessen oder verniedlicht).
Jedoch ist der Hass auf den Kapitalismus wahrlich zu kurz gesprungen. Oder willst die machtgeilen Vertreter der Finanzindustrie durch machtgeile Politiker ersetzen und glaubst dann, alles wird gut?
Dass das Gegenteil der Fall ist, ist hinreichend bewiesen.

Viele Grüße
gh

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 Betreff des Beitrags: Re: Der Kapitalismus als Wurzel allen Übels?
BeitragVerfasst: 24 Sep 2012 20:39 
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geradeheraus hat geschrieben:
Anbei ein Artikel von Wolf Lotter in der FAZ vom 23.9.12, dessen Lektüre ich empfehlen möchte.
Ein lesenswerter Bericht der sich kritisch mit Macht und Kapitalismus auseinandersetzt, ohne als typisch ideologisch motivierter, sträflich vereinfachender Antikapitalismus daherzukommen.
Viele Grüße
gh

ja, ja der Lotter Wolf
mir ist unverständlich wie die ehemals ehrwürdige FAZ so ein Blödinn veröffentlicht
Echte Kapitalisten gibt es höchstens noch als ideologisches Stilmittel, sie stehen in Wahrheit längst auf der Liste der bedrohten Arten***.
Die Reichen, die immer reicher werden, das sind bessere Angestellte, Vertreter von Kleinanlegern, Bürokraten und Verwalter eines einst schillernden Milieus.

Nicht das Ende des Kapitalismus erleben wir, sondern nur den Niedergang einer Inszenierung von Wirtschaft, Märkten, Freiheit und Unternehmertum.


bisher habe ich nur die Ankündigung gesehen
aber ich empfehle ALLEN- besonders DIR und Fazer
am DI 02. Oktobrio 20:15 Arte einzuschalten
eschek

***am besten mit der Kalaschnikow :shot:

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Wir leben ja in einer marktkonformen Demokratie sagt "die späte Rache Honeckers"
Ich bete jeden Abend zum Hanf und zu den Laternen (Georg Büchner)


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 Betreff des Beitrags: Re: Der Kapitalismus als Wurzel allen Übels?
BeitragVerfasst: 24 Sep 2012 22:41 
geradeheraus hat geschrieben:
Dieser Bericht verdeutlicht sehr schön meine Bedenken, die ich bzgl. der immer wieder von links geforderten Stärkung von Staat und Politik in wirtschaftlichen Fragen hege.
Der Versuch, den Teufel mit dem Beelzebub auszutreiben, war noch nie sinnvoll.

Gh, deine Feststellung ist sicherlich bedenkenswert.
Das man der Ausuferung der Banken- und Finanzmafia mit mehr Gesetzen und Vorschriften entgegentritt ist zwar bedauerlich, aber wohl die Folge den überbordenden, ja verbrecherischen Methoden der Kapital. und Finanzmafia geschuldet. Das gerade die Linken sich für gerechte Löhne bzw. gegen Lohndumping einsetzen ist wohl ein legitimes Mittel um den Abzockern an der Börse wirksam entgegenzutreten.
Aber nehmen wir mal die EU, die sicher nicht von den Linken erfunden wurde. Ein Verwaltungsapparat, der wahrscheinlich unsere Vorstellungen übertrifft. Was hat man dort nicht schon alles für sinnlose Gesetze und Verordnungen verfasst.
Jeder dieser Gurken- und Bananenkrümmer verdient mindestens 10.000 Euro im Monat.
Dort werden riesige Mengen von Geldern verwaltet, die von den Leistungsträgern unserer Gesellschaft erbracht wurden. Die EU ein riesiger Wasserkopf der auch jetzt noch mit einer Behörde ausgestattet wird, die über völlige Immunität verfügt und die die Gelder ohne einen Nachweis in irgendwelche Kanäle verschwinden lassen kann.
Wir haben in Deutschland bis jetzt den sozialen Frieden erhalten können, auch deshalb weil mit der Hartz IV Regelung jeder nicht leben, aber überleben kann.
Es ist beschämend für unser Land, dass beispielsweise ein so hoch gebildeter und scharfsinniger Mann wie Christoph Hörstel diese Leistung in Anspruch nehmen muss, nur weil der unserer zionistisch gesteuerten Presse nicht in den Kram passt.
Der IWF, die Weltbank sind ja nur ein Verwaltungsapparat und mehr oder weniger ein Haufen von Betrügern, die mit Mafiamethoden aus den Ländern über den Zinsdienst das letzte bisschen Lebenskraft saugen.
Dann schau dir mal die Banken an, ein Verwaltungsapparat ohnegleichen, wo zwar eine Menge Leute beschäftigt werden, aber die lediglich unser Geld verwalten und um die Ecke bringen, wenn man von den Sparkassen und Volksbanken mal absieht.
Wir haben es geschafft durch Automation und Computer die Menschen entbehrlich zu machen. Die Arbeitslosigkeit in den westlichen Ländern auch in den USA hat bedrohliche Ausmaße angenommen. Hast du dir schon mal überlegt wo das alles enden soll? Es kann nicht sein, dass manche arbeiten bis sie umfallen, während andere keine Arbeit haben und manche zum Nichtstun gezwungen werden und einige sicherlich auch das soziale Netz ausnutzen. Aber gerade das wird bei uns ja oft gefördert. Aber selbst da ist das Geld sinnvoller angelegt als die von den Firmen und Konzernen erwirtschafteten Gewinne in Rüstung und sinnlose Kriege zu stecken.
Ich denke dass das westliche Finanzsystem komplett den Bach runter gehen muss. Erst dann können wir wirklich etwas Neues aufbauen weil dann die Leute hoffentlich vernünftiger geworden sind, weil die Jagd nach immer mehr uns letztlich alle kaputt macht. Die Vormachtsstellung des Geldes und des Konsums muss gebrochen und durch andere Dinge ersetzt werden. Aber das muss erst in die Köpfe der Menschen rein und ich denke dass viele aufwachen werden von ihrem Traum von Wachstum ohne Grenzen und für manche wird es ein böses Erwachen sein


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 Betreff des Beitrags: Re: Der Kapitalismus als Wurzel allen Übels?
BeitragVerfasst: 24 Sep 2012 23:49 
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Zitat:
...Ich denke dass das westliche Finanzsystem komplett den Bach runter gehen muss. Erst dann können wir wirklich etwas Neues aufbauen weil dann die Leute hoffentlich vernünftiger geworden sind, weil die Jagd nach immer mehr uns letztlich alle kaputt macht. Die Vormachtsstellung des Geldes und des Konsums muss gebrochen und durch andere Dinge ersetzt werden. Aber das muss erst in die Köpfe der Menschen rein und ich denke dass viele aufwachen werden von ihrem Traum von Wachstum ohne Grenzen und für manche wird es ein böses Erwachen sein

Träum weiter. Wenn das Finanzsystem erst zusammengebrochen ist, ist der Rest schon von Golman Sachs und Konsorten so präpariert, dass es auch nicht gelingen wird, ein neues und besseres Finanzsystem aufzubauen, weil dieses Geschmeiss in der Zwischenzeit mit den Regierungen so verfilzt ist, dass auch keine vernünftigen Gesetze mehr dabei herauskommen werden

14/7

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(Juncker), nachzulesen im Spiegel
Kaufen, was einem die Kartelle vorwerfen; lesen, was einem die Zensoren erlauben; glauben, was einem die Kirche und Partei gebieten. Beinkleider werden zur Zeit mittelweit getragen. Freiheit gar nicht. - Kurt Tucholsky
T. Jefferson: Die Wahrheit steht von alleine aufrecht, die Lüge bedarf der Stütze des Staates.


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 Betreff des Beitrags: Re: Der Kapitalismus als Wurzel allen Übels?
BeitragVerfasst: 24 Sep 2012 23:57 
Quijota hat geschrieben:
Zitat:
...Ich denke dass das westliche Finanzsystem komplett den Bach runter gehen muss. Erst dann können wir wirklich etwas Neues aufbauen weil dann die Leute hoffentlich vernünftiger geworden sind, weil die Jagd nach immer mehr uns letztlich alle kaputt macht. Die Vormachtsstellung des Geldes und des Konsums muss gebrochen und durch andere Dinge ersetzt werden. Aber das muss erst in die Köpfe der Menschen rein und ich denke dass viele aufwachen werden von ihrem Traum von Wachstum ohne Grenzen und für manche wird es ein böses Erwachen sein

Träum weiter. Wenn das Finanzsystem erst zusammengebrochen ist, ist der Rest schon von Golman Sachs und Konsorten so präpariert, dass es auch nicht gelingen wird, ein neues und besseres Finanzsystem aufzubauen, weil dieses Geschmeiss in der Zwischenzeit mit den Regierungen so verfilzt ist, dass auch keine vernünftigen Gesetze mehr dabei herauskommen werden

14/7


Na ja, letzten Endes sind das nur die naiven Vorstellungen davon, dass ein wie auch immer geartetes neues System dann plötzlich ganz toll sei. Ignoriert wird, dass unsere Marktwirtschaft schlicht Folge freier und demokratischer Entscheidungen vieler einzelner Menschen ist. Und die Menschen wünschen sich eben "mehr", sie wünschen sich Geld und Konsum. Wer das leugnet ignoriert die Menschen. Ein Land wie China, das sich sozialistisch nennt, hat auf Basis des Eigenantriebs der Menschen de facto ein kapitalistisches System aufgebaut - oft genug viel gnadenloser (z.B. in den Fabriken) als alles, was es im weichgespülten marktwirtschaftlichen System des Westens gibt.


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 Betreff des Beitrags: Re: Der Kapitalismus als Wurzel allen Übels?
BeitragVerfasst: 25 Sep 2012 09:54 
Fazer hat geschrieben:
Quijota hat geschrieben:
Zitat:
...Ich denke dass das westliche Finanzsystem komplett den Bach runter gehen muss. Erst dann können wir wirklich etwas Neues aufbauen weil dann die Leute hoffentlich vernünftiger geworden sind, weil die Jagd nach immer mehr uns letztlich alle kaputt macht. Die Vormachtsstellung des Geldes und des Konsums muss gebrochen und durch andere Dinge ersetzt werden. Aber das muss erst in die Köpfe der Menschen rein und ich denke dass viele aufwachen werden von ihrem Traum von Wachstum ohne Grenzen und für manche wird es ein böses Erwachen sein

Träum weiter. Wenn das Finanzsystem erst zusammengebrochen ist, ist der Rest schon von Golman Sachs und Konsorten so präpariert, dass es auch nicht gelingen wird, ein neues und besseres Finanzsystem aufzubauen, weil dieses Geschmeiss in der Zwischenzeit mit den Regierungen so verfilzt ist, dass auch keine vernünftigen Gesetze mehr dabei herauskommen werden

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Na ja, letzten Endes sind das nur die naiven Vorstellungen davon, dass ein wie auch immer geartetes neues System dann plötzlich ganz toll sei. Ignoriert wird, dass unsere Marktwirtschaft schlicht Folge freier und demokratischer Entscheidungen vieler einzelner Menschen ist. Und die Menschen wünschen sich eben "mehr", sie wünschen sich Geld und Konsum. Wer das leugnet ignoriert die Menschen. Ein Land wie China, das sich sozialistisch nennt, hat auf Basis des Eigenantriebs der Menschen de facto ein kapitalistisches System aufgebaut - oft genug viel gnadenloser (z.B. in den Fabriken) als alles, was es im weichgespülten marktwirtschaftlichen System des Westens gibt.

Wobei China, im Gegensatz zu den USA über eine reale Marktwirtschaft verfügt, während die USA nur noch über Gelddrucken und Ramschpapiere existieren kann.
Die beschriebenen krankhaften Entwicklungen, die Parasiten, die sich auf Kosten anderer bedienen, das Zinseszinssystem, das ganze Ramschpapiergeschäft und einiges mehr müssen abgeschafft werden. Wir brauchen keinen Kommunismus in dem Sinne, dass alle gleich viele haben. Das ist utopisch. Die Ressourcen dieser Erde gehören allen Menschen und sollten denen zur Verfügung gestellt werden, die umweltschonend und sorgsam damit umgehen.
Im Bezug auf Umweltschutz ist China auf einem guten Weg und die tun hier momentan mehr als die USA mit ihren Parasitenbanken wie Goldmann-Sachs und ihren von Habgier zerfressenen Hirnen.
Übrigens werden Gesetze und Vorschriften von den Zionisten nur dann eingefordert, wenn sie davon profitieren, ansonsten werden sie wenn es nötig ist, einfach ausgehebelt.


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 Betreff des Beitrags: Re: Der Kapitalismus als Wurzel allen Übels?
BeitragVerfasst: 25 Sep 2012 23:12 
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JoJo hat geschrieben:
Fazer hat geschrieben:
Quijota hat geschrieben:
Zitat:
...Ich denke dass das westliche Finanzsystem komplett den Bach runter gehen muss. Erst dann können wir wirklich etwas Neues aufbauen weil dann die Leute hoffentlich vernünftiger geworden sind, weil die Jagd nach immer mehr uns letztlich alle kaputt macht. Die Vormachtsstellung des Geldes und des Konsums muss gebrochen und durch andere Dinge ersetzt werden. Aber das muss erst in die Köpfe der Menschen rein und ich denke dass viele aufwachen werden von ihrem Traum von Wachstum ohne Grenzen und für manche wird es ein böses Erwachen sein

Träum weiter. Wenn das Finanzsystem erst zusammengebrochen ist, ist der Rest schon von Golman Sachs und Konsorten so präpariert, dass es auch nicht gelingen wird, ein neues und besseres Finanzsystem aufzubauen, weil dieses Geschmeiss in der Zwischenzeit mit den Regierungen so verfilzt ist, dass auch keine vernünftigen Gesetze mehr dabei herauskommen werden

14/7


Na ja, letzten Endes sind das nur die naiven Vorstellungen davon, dass ein wie auch immer geartetes neues System dann plötzlich ganz toll sei. Ignoriert wird, dass unsere Marktwirtschaft schlicht Folge freier und demokratischer Entscheidungen vieler einzelner Menschen ist. Und die Menschen wünschen sich eben "mehr", sie wünschen sich Geld und Konsum. Wer das leugnet ignoriert die Menschen. Ein Land wie China, das sich sozialistisch nennt, hat auf Basis des Eigenantriebs der Menschen de facto ein kapitalistisches System aufgebaut - oft genug viel gnadenloser (z.B. in den Fabriken) als alles, was es im weichgespülten marktwirtschaftlichen System des Westens gibt.

Wobei China, im Gegensatz zu den USA über eine reale Marktwirtschaft verfügt, während die USA nur noch über Gelddrucken und Ramschpapiere existieren kann.
Die beschriebenen krankhaften Entwicklungen, die Parasiten, die sich auf Kosten anderer bedienen, das Zinseszinssystem, das ganze Ramschpapiergeschäft und einiges mehr müssen abgeschafft werden. Wir brauchen keinen Kommunismus in dem Sinne, dass alle gleich viele haben. Das ist utopisch. Die Ressourcen dieser Erde gehören allen Menschen und sollten denen zur Verfügung gestellt werden, die umweltschonend und sorgsam damit umgehen.
Im Bezug auf Umweltschutz ist China auf einem guten Weg und die tun hier momentan mehr als die USA mit ihren Parasitenbanken wie Goldmann-Sachs und ihren von Habgier zerfressenen Hirnen.
Übrigens werden Gesetze und Vorschriften von den Zionisten nur dann eingefordert, wenn sie davon profitieren, ansonsten werden sie wenn es nötig ist, einfach ausgehebelt.

JoJo, glücklicherweise ist die Welt nicht so digital ist, wie das Weltbild, dass Du Dir zimmerst und immer wieder gebetsmühlenartig präsentierst. Dein dargebotenes Gedankengut ist ein Nährboden für Hass – und das ist mit Sicherheit keine geeignete Ausgangslage für die notwendigen Veränderungen.

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 Betreff des Beitrags: Re: Der Kapitalismus als Wurzel allen Übels?
BeitragVerfasst: 26 Sep 2012 12:05 
Gh, was mich an der Argumentation von Lotter und dir stört ist, dass die Verquickung zwischen Politik und Wirtschaft zur Ausuferung von Verwaltung führt und dies wieder mal der Linken angelastet wird. Das ist zu kurz gesprungen. Deine Argumentation beschränkt sich auf diese Richtung, wobei du andere Fakten völlig außer Acht lässt.
Dass es korrupte Wirtschafts- und Finanzkonzerne gibt ist nun eben mal so und ist vielleicht der Gier des Menschen geschuldet. Eine etwas weiter gefasste Argumentation als nur einseitige Betrachtungsweise könnte man schon erwarten. Ansonsten müsste ich das als ideologischen Dünnpfiff bezeichnen.


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 Betreff des Beitrags: Re: Der Kapitalismus als Wurzel allen Übels?
BeitragVerfasst: 26 Sep 2012 19:35 
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JoJo hat geschrieben:
Gh, was mich an der Argumentation von Lotter und dir stört ist,
Sorry, aber das kann nicht der Maßstab sein. Deine ständigen Hasstiraden stören mich auch. Interessiert Dich das?
JoJo hat geschrieben:
...dass die Verquickung zwischen Politik und Wirtschaft zur Ausuferung von Verwaltung führt...
Stimmt, die Verquickung von Politik und Wirtschaft hat katastrophale Folgen.
JoJo hat geschrieben:
und dies wieder mal der Linken angelastet wird.
Nun, von welcher politischen Seite wird denn die staatliche Einflussnahme, die Kontrolle, die Verstaatlichung etc. gefordert? Sind doch die Linken, oder täusche ich mich da etwa?
Schau Dir die Ergebnisse staatlich gelenkter Industrien (inkl. der Finanzwirtschaft) und Gesellschaften an – und beurteile sie. Gibt wenig bis gar nichts Positives zu berichten.
Da wo staatliche Kräfte am Ruder sind, geht die Geschichte den Bach runter. Zu wessen Lasten, darfst Du Dir gerne selbst beantworten.
JoJo hat geschrieben:
Deine Argumentation beschränkt sich auf diese Richtung, wobei du andere Fakten völlig außer Acht lässt.
Ach nee! Mir geht es in diesem Thread exakt um dieses Thema. Da nutzt es wenig, wenn genau dieser Aspekt außen vor gelassen wird, so wie u.a. Du das handhabst.
JoJo hat geschrieben:
Dass es korrupte Wirtschafts- und Finanzkonzerne gibt ist nun eben mal so...
Stimmt.
JoJo hat geschrieben:
...und ist vielleicht der Gier des Menschen geschuldet.
Sicher ist exakt dies eine der treibenden Kräfte. Schön, dass Du diesen Sachverhalt anerkennst.
JoJo hat geschrieben:
Eine etwas weiter gefasste Argumentation als nur einseitige Betrachtungsweise könnte man schon erwarten.
Eben! Aber bitte zum Sachverhalt.
JoJo hat geschrieben:
Ansonsten müsste ich das als ideologischen Dünnpfiff bezeichnen.
Wow! Diese Stellungnahme ausgerechnet von Dir ist ein echter Brüller. :laola:

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 Betreff des Beitrags: Re: Der Kapitalismus als Wurzel allen Übels?
BeitragVerfasst: 12 Okt 2012 00:15 
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 Betreff des Beitrags: Re: Der Kapitalismus als Wurzel allen Übels?
BeitragVerfasst: 12 Okt 2012 08:10 
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freidenker hat geschrieben:

Danke für die Verlinkung des Beitrags, den ich seinerzeits bereits interessiert gelesen habe.
Den festgehaltenen Gedanken und Äußerungen MM´s stimme ich zu. Sie heben sich erfreulich von der leider nicht seltenen Überheblichkeit und Besserwisserei ab.

Viele Grüße
gh

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 Betreff des Beitrags: Re: Der Kapitalismus als Wurzel allen Übels?
BeitragVerfasst: 13 Okt 2012 00:09 
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geradeheraus hat geschrieben:
freidenker hat geschrieben:

Danke für die Verlinkung des Beitrags, den ich seinerzeits bereits interessiert gelesen habe.
Den festgehaltenen Gedanken und Äußerungen MM´s stimme ich zu. Sie heben sich erfreulich von der leider nicht seltenen Überheblichkeit und Besserwisserei ab.

Viele Grüße
gh


Es freut mich, dass wir mal einer Meinung sind. Mir gefällt ganz besonders folgende Passage:



Ich halte den Begriff des Kapitalismus für maßlos überstrapaziert. Aus einer Vielzahl von Gründen wurden in neuerer Zeit vermutlich nur tief im Menschen wurzelnde Verhaltensweisen voll entfaltet. Und wäre nicht Karl Marx gewesen, wäre diese historische Entwicklung möglicherweise nie auf einen Begriff gebracht worden. Nun aber ist er in den Köpfen, und es ist ja auch ganz bequem, mit glattgeschliffenen Begriffen und nicht mit sperrigen Wirklichkeiten umgehen zu müssen.

Aber dass es Grenzüberschreitungen gegeben hat, teilweise kriminelle, das werden Sie nicht bestreiten können.

Gewiss nicht. Aber mir scheint es allzu billig, solche Grenzüberschreitungen und kriminellen Machenschaften nicht in erster Linie Menschen, sondern dem Abstraktum „Kapitalismus“ zuzuschreiben. Das erinnert mich fatal an das Verhalten Adams gegenüber Eva und dieser gegenüber der teuflischen Schlange im Paradies: nur keine eigene Verantwortung übernehmen! Immer ist es ein Dritter, der Teufel, Hitler, Honecker oder wer auch immer, der schuld an allem ist. Und jetzt ist es eben der Kapitalismus. Solange es einen solchen Dritten gibt, braucht man sich selbst nicht zu ändern. Aber stellen wir uns doch einmal vor, was ohne die Trägheit und Gier der meisten aus dem Kapitalismus würde: Er würde sich ganz schnell verflüchtigen!


Solltest Du das kompromislos auch so sehen können, wäre eine gedankliche Annäherung zwischen uns beiden nicht mehr unmöglich. Das ist nämlich die Grundsatzfrage, völlig ideologielos.

Gruß
Fd

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 Betreff des Beitrags: Re: Der Kapitalismus als Wurzel allen Übels?
BeitragVerfasst: 13 Okt 2012 00:18 
:up:
Jetzt wird's spannend!

Gruß
Kritikaster


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 Betreff des Beitrags: Re: Der Kapitalismus als Wurzel allen Übels?
BeitragVerfasst: 13 Okt 2012 18:38 
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geradeheraus hat geschrieben:
freidenker hat geschrieben:

Danke für die Verlinkung des Beitrags, den ich seinerzeits bereits interessiert gelesen habe.
Den festgehaltenen Gedanken und Äußerungen MM´s stimme ich zu. Sie heben sich erfreulich von der leider nicht seltenen Überheblichkeit und Besserwisserei ab.

Viele Grüße
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Es freut mich, dass wir mal einer Meinung sind. Mir gefällt ganz besonders folgende Passage:



Ich halte den Begriff des Kapitalismus für maßlos überstrapaziert. Aus einer Vielzahl von Gründen wurden in neuerer Zeit vermutlich nur tief im Menschen wurzelnde Verhaltensweisen voll entfaltet. Und wäre nicht Karl Marx gewesen, wäre diese historische Entwicklung möglicherweise nie auf einen Begriff gebracht worden. Nun aber ist er in den Köpfen, und es ist ja auch ganz bequem, mit glattgeschliffenen Begriffen und nicht mit sperrigen Wirklichkeiten umgehen zu müssen.

Aber dass es Grenzüberschreitungen gegeben hat, teilweise kriminelle, das werden Sie nicht bestreiten können.

Gewiss nicht. Aber mir scheint es allzu billig, solche Grenzüberschreitungen und kriminellen Machenschaften nicht in erster Linie Menschen, sondern dem Abstraktum „Kapitalismus“ zuzuschreiben. Das erinnert mich fatal an das Verhalten Adams gegenüber Eva und dieser gegenüber der teuflischen Schlange im Paradies: nur keine eigene Verantwortung übernehmen! Immer ist es ein Dritter, der Teufel, Hitler, Honecker oder wer auch immer, der schuld an allem ist. Und jetzt ist es eben der Kapitalismus. Solange es einen solchen Dritten gibt, braucht man sich selbst nicht zu ändern. Aber stellen wir uns doch einmal vor, was ohne die Trägheit und Gier der meisten aus dem Kapitalismus würde: Er würde sich ganz schnell verflüchtigen!


Solltest Du das kompromislos auch so sehen können, wäre eine gedankliche Annäherung zwischen uns beiden nicht mehr unmöglich. Das ist nämlich die Grundsatzfrage, völlig ideologielos.

Gruß
Fd

Wirklich interessant zu erkennen, dass Du die gleichen Textpassagen wie ich als wesentlich herausstellst.

Ja, selbstverständlich stimme ich den genannten Passagen inhaltlich zu!
Wie sonst hätte ich MM´s Beitrag positiv beurteilen können, wenn ich Kernaussagen in Frage stelle?


Viele Grüße
gh

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 Betreff des Beitrags: Re: Der Kapitalismus als Wurzel allen Übels?
BeitragVerfasst: 15 Okt 2012 16:55 
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geradeheraus hat geschrieben:
Wirklich interessant zu erkennen, dass Du die gleichen Textpassagen wie ich als wesentlich herausstellst.

Ja, selbstverständlich stimme ich den genannten Passagen inhaltlich zu!
Wie sonst hätte ich MM´s Beitrag positiv beurteilen können, wenn ich Kernaussagen in Frage stelle?


Viele Grüße
gh


Wie nun weiter?
Es traut sich wohl keiner von uns beiden den Frieden durch zu voreilige Gedanken zu gefährden?
Unsere Erkenntnisse sollten wohl darin übereinstimmen, dass das einzig Wahre die Handlungen lebender Menschen sind. Jegliche Ideologien bauen auf falschem Zeitgeist auf. Der Kapitalismus war seinerzeit ein gewaltiger Fortschritt in der Menschheitsgeschichte, doch förderte er die Möglichkeiten der Besitzenden ihre Begierden ausufern zu lassen. Der Gedanke des Sozialismus war nur eine Notreaktion der Besitzlosen, wie der Terrorismus in der heutigen Zeit eine Notwehr der Schwachen ist. Gut, letzteres ist ein anderes streitbares Thema, doch ich sehe es so.
Wie mein Namensvetter, der Herr Miegel, einleuchtend feststellte, hat der Mensch den Teufel erfunden, um das Böse in sich relativieren zu können.
Soweit zur Theorie, wo noch Übereinstimmung herrschen sollte. Die Übertragung in die heutige Praxis wird sich aber wohl schwieriger gestalten, denn es wird uns schwer fallen, den Teufel in uns zu erkennen, das können sich wohl nur die Katholiken leisten, die den Ablasshandel erfunden haben, den Vorboten des Kapitalismus. Der Teufel beseitigt also die Hemmschwellen des Kapitalisten und flüstert ihm ein: "was schert dich das Elend anderer Leute, für dein ergaunertes Geld erteilt dir jeder Gott Absolution".
Wahrscheinlich bin ich schon wieder zu weit vorangeprescht, doch mit keiner Silbe habe ich der sozialistischen Revolution das Wort geredet.

Gruß
Fd

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Die Zukunft des Westens kann nicht die Verlängerung seiner Vergangenheit sein.

Suche nicht nach dem Sinn des Lebens, gib ihm einen.


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 Betreff des Beitrags: Re: Der Kapitalismus als Wurzel allen Übels?
BeitragVerfasst: 15 Okt 2012 19:36 
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freidenker hat geschrieben:
Der Gedanke des Sozialismus war nur eine Notreaktion der Besitzlosen, wie der Terrorismus in der heutigen Zeit eine Notwehr der Schwachen ist. Gut, letzteres ist ein anderes streitbares Thema, doch ich sehe es so.


Sehr streitbar verehrter Freidenker

Gruß
Poldi

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 Betreff des Beitrags: Re: Der Kapitalismus als Wurzel allen Übels?
BeitragVerfasst: 15 Okt 2012 20:57 
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Registriert: 01 Feb 2011 12:15
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Wohnort: mittendrin
freidenker hat geschrieben:
geradeheraus hat geschrieben:
Wirklich interessant zu erkennen, dass Du die gleichen Textpassagen wie ich als wesentlich herausstellst.

Ja, selbstverständlich stimme ich den genannten Passagen inhaltlich zu!
Wie sonst hätte ich MM´s Beitrag positiv beurteilen können, wenn ich Kernaussagen in Frage stelle?


Viele Grüße
gh


Wie nun weiter?
Es traut sich wohl keiner von uns beiden den Frieden durch zu voreilige Gedanken zu gefährden?
Unsere Erkenntnisse sollten wohl darin übereinstimmen, dass das einzig Wahre die Handlungen lebender Menschen sind. Jegliche Ideologien bauen auf falschem Zeitgeist auf. Der Kapitalismus war seinerzeit ein gewaltiger Fortschritt in der Menschheitsgeschichte, doch förderte er die Möglichkeiten der Besitzenden ihre Begierden ausufern zu lassen. Der Gedanke des Sozialismus war nur eine Notreaktion der Besitzlosen, wie der Terrorismus in der heutigen Zeit eine Notwehr der Schwachen ist. Gut, letzteres ist ein anderes streitbares Thema, doch ich sehe es so.
Wie mein Namensvetter, der Herr Miegel, einleuchtend feststellte, hat der Mensch den Teufel erfunden, um das Böse in sich relativieren zu können.
Soweit zur Theorie, wo noch Übereinstimmung herrschen sollte. Die Übertragung in die heutige Praxis wird sich aber wohl schwieriger gestalten, denn es wird uns schwer fallen, den Teufel in uns zu erkennen, das können sich wohl nur die Katholiken leisten, die den Ablasshandel erfunden haben, den Vorboten des Kapitalismus. Der Teufel beseitigt also die Hemmschwellen des Kapitalisten und flüstert ihm ein: "was schert dich das Elend anderer Leute, für dein ergaunertes Geld erteilt dir jeder Gott Absolution".
Wahrscheinlich bin ich schon wieder zu weit vorangeprescht, doch mit keiner Silbe habe ich der sozialistischen Revolution das Wort geredet.

Gruß
Fd

Sorry Freidenker, aber Deine Gedanken teile ich nicht. Deine Interpretation von Miegel´s Worten weicht gänzlich von meiner ab.

Hierfür gibt es zahlreiche Gründe. Beispielsweise dass Du schreibst, das einzig Wahre seien die Handlungen lebendiger Menschen... Sind die Erkenntnisse, die Weisheiten, die Anschauungen Toter, also von Menschen, die vor uns lebten, nichts wert?
Außerdem erhebst Du damit die Handlung als solche ohne jegliche Wertung, was in meinen Augen nicht angebracht ist. Siehe beispielsweise den Terrorismus, den Du allen Ernstes als Notwehr Schwacher darstellst. Das ist mehr als grenzwertig. Das ist in meinen Augen völlig daneben. Verantwortung? Fehlanzeige!

Letzteres belegt die leider weit verbreitete Neigung, stets das Wirken anderer für eigenes Tun verantwortlich zu machen. Genau dies hat MM herausgestellt: „…Solange es einen solchen Dritten gibt, braucht man sich selbst nicht zu ändern.“ Außerdem ist es die einfache Lösung, die es ermöglicht, „bequem mit glattgeschliffenen Begriffen und nicht mit sperrigen Wirklichkeiten umgehen zu müssen.“ Auch dies hat MM bewusst so ausgedrückt.

Hierin liegt gewiss kein Ansatz zur Verbesserung, denn diese Denke verleitet dazu, sich selbst zu unterwerfen und abhängig zu machen. Exakt das Gegenteil von Verantwortung! Deinen Hinweis auf die katholische Kirche finde ich passend. Die auf die Beichte folgende Reinwaschung von Schuld ist nichts anderes, als eine Vertiefung der Abhängigkeit. Scheinheiliges Gehabe! Nichts, aber auch gar nichts wird dadurch verändert.

Miegel´s Worte sind ein dringlicher Appell an jeden Einzelnen und an seine Verantwortung. Eindeutig benennt er die Errungenschaften und gleichermaßen schonungslos legt er die gemachten Fehler offen. Damit ermutigt er jedermann zu vorwärtsgerichteten Veränderungen. Wie antwortet er so schön auf die Frage" Wo muss man denn ansetzen?":
"Beim Einzelnen. Spielen nicht mehr genügend Menschen mit, dann verändern sich die sogenannten gesellschaftlichen Verhältnisse von allein. Alle Weltreligionen versuchen diesen Weg zu weisen. Und selbst wenn sie damit nur mäßigen Erfolg haben - der Erfolg der Systemveränderer ist noch mäßiger. Sie brechen die Macht der einen und etablieren die Macht anderer."
Fehlinterpretation unmöglich!

Gleichzeitig weist er auf die Komplexität der aktuellen Gegebenheiten hin, ohne dabei der Mutlosigkeit das Wort zu reden. Im Gegenteil.
„…eine lange historische Periode klingt jetzt aus, und das Neue können wir mitgestalten. Das eröffnet Chancen, wie es sie lange nicht mehr gab.“
Gemeinsam mit anderen denkt er über einen Plan B nach, über die Zeit nach stetiger Expansion. Dies ist sehr konsequent, denn die einseitige Abhängigkeit vom Wachstum ist die Achillesferse.
„Wie beispielsweise können unter diesen Bedingungen ausgeglichene öffentliche Haushalte, intakte Umwelt und soziale Gerechtigkeit gewährleistet werden? Dabei stimmt mich hoffnungsvoll, wie viele Menschen auch aus der Wirtschaft oder der Politik in die gleiche Richtung denken.“
Genau für diese Gedanken wirbt er, denn ihm ist klar, dass die Lösungen nicht aus einer kleinen Gruppe heraus stammen können, sondern nur gemeinsam mit einer Mehrheit der Menschen.
Und er traut ihnen zu, dass sie daran mitarbeiten und dass sie es schaffen.
Genau dieses Zuvertrauen in jeden Einzelnen ist erforderlich. Denn nur derjenige, der dem Menschen nichts zutraut, verdonnert sie zum Kollektivismus.

Hast Du davon eine Silbe gelesen?

Viele Grüße
gh

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"Sorry! The lifestyle you´ve ordered ist currently out of stock." Bekannter Graffity-Künstler


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 Betreff des Beitrags: Re: Der Kapitalismus als Wurzel allen Übels?
BeitragVerfasst: 15 Okt 2012 23:18 
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Zitat:
Siehe beispielsweise den Terrorismus, den Du allen Ernstes als Notwehr Schwacher darstellst. Das ist mehr als grenzwertig. Das ist in meinen Augen völlig daneben. Verantwortung? Fehlanzeige!


Hier passt eine Diskussion über dieses Thema nicht her, deshalb mache ich dazu einen neuen Thread auf, auch hier bei Gesellschaft

Zenzi

_________________
«Ein Land, das eine ihm feindlich gesinnte Bevölkerung von einer Million Fremder kontrolliert, wird zwangsläufig zu einem Geheimdienst-Staat mutieren, mit allen Konsequenzen; das wird Auswirkungen auf die Erziehung haben, auf die Rede- und Meinungsfreiheit und auf die demokratische Regierungsform. Die Korruption, die jedes koloniale Regime charakterisiert, wird auch den Staat Israel infizieren.» Jeschajahu Leibowitz, 1968


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