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 Betreff des Beitrags: On-Demand-Economy
BeitragVerfasst: 09 Aug 2015 10:23 
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Bisher kannte ich den Begriff "on-demand" im Zusammenhang mit zeitnaher Produktion/Lieferung von Waren/Fertigungsteilen auf Abruf, damit Lagerhaltungskosten gespart werden können.

Aber auch der Arbeitsmarkt scheint sich mehr und mehr daran auszurichten. Ein unangenehmer Gedanke. Man stelle sich vor, dass immer mehr der berufstätigen Bevölkerung nur noch auf Abruf arbeiten sollen; das Mobiltelefon in allen Lebenslagen immer angeschaltet bei sich habend in der Erwartung eines sofort zu erfüllenden On-demand-Arbeitsauftrages.

Ein Bekannter von mir, der als Freiberufler reichlich Geld mit Spekulation verdient und mir bisher nicht durch soziale Gesinnung aufgefallen ist und mit der Sozialdemokratie noch nie was am Hut hatte, schickte mir vor ein paar Tagen den folgenden Link zusammen mit einer Bemerkung, die ich gerade von ihm nie erwartet hätte:

"Ich habe mich schon immer gewundert, wie positiv das Ganze in den Medien gesehen wurde. Wer hochqualifiziert ist oder Geld hat, meistens beides, hat heute per Knopfdruck den direkten Zugriff auf willfähige Leibeigne. 150 Jahre Sozialdemokratie für die Tonne."

Erstaunlich auch, dass solch ein kritischer Artikel in einem Wirtschaftsmagazin erscheint.

manager magazin hat geschrieben:
Kapitalismus auf Koks - wie die On-Demand-Economy die soziale Marktwirtschaft zerstört
[...]
Einkaufen? Putzen? Die Einkaufs- und Putzhilfe wird heute per App bestellt - IT-Konzerne bringen Kunden und freie Dienstleister gegen Provision zusammen. Was sich zunächst sehr praktisch anhört, könnte schon bald den Sozialpakt aus den Angeln heben: 53 Millionen Freiberufler gibt es in den USA bereits, das sind 33 Prozent der arbeitenden Bevölkerung.

Die On-Demand-Economy hebt die soziale Marktwirtschaft aus den Angeln. Es gibt weder Sozialversicherung noch Feierabend. Es droht ein digitaler Feudalismus.

http://www.manager-magazin.de/magazin/artikel/on-demand-economy-vs-soziale-marktwirtschaft-a-1043623.html

_________________
Tja, etwas besseres als Merkel konnte den Deutschen gar nicht passieren. (Fazer aka Nonsequitur) Bild Bild Bild
Kanzlerin Merkel versucht vergeblich Probleme zu lösen, die Deutschland ohne sie niemals gehabt hätte (David Schaub)


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 Betreff des Beitrags: Re: On-Demand-Economy
BeitragVerfasst: 09 Aug 2015 10:46 
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...und die Politik lässt das zu.
Ich habe mich schon vor Jahren darüber aufgeregt, dass eine Schuldirektorin von Schülermaterial sprach. Damit meinte sie nicht etwa Schreibutensilien etc., sondern SchülerInnen.
Wir kommen einem Punkt immer näher: Der Mensch (und seine Arbeitskraft) als Ware. Das zeigt sich im Organhandel genau so, wie jetzt auf dem Arbeitsmarkt

_________________
EU: »Wir beschließen etwas, stellen das dann in den Raum und warten einige Zeit ab, was passiert...
(Juncker), nachzulesen im Spiegel
Kaufen, was einem die Kartelle vorwerfen; lesen, was einem die Zensoren erlauben; glauben, was einem die Kirche und Partei gebieten. Beinkleider werden zur Zeit mittelweit getragen. Freiheit gar nicht. - Kurt Tucholsky
T. Jefferson: Die Wahrheit steht von alleine aufrecht, die Lüge bedarf der Stütze des Staates.


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 Betreff des Beitrags: Re: On-Demand-Economy
BeitragVerfasst: 10 Aug 2015 00:44 
SolaBona hat geschrieben:
Bisher kannte ich den Begriff "on-demand" im Zusammenhang mit zeitnaher Produktion/Lieferung von Waren/Fertigungsteilen auf Abruf, damit Lagerhaltungskosten gespart werden können.

Aber auch der Arbeitsmarkt scheint sich mehr und mehr daran auszurichten. Ein unangenehmer Gedanke. Man stelle sich vor, dass immer mehr der berufstätigen Bevölkerung nur noch auf Abruf arbeiten sollen; das Mobiltelefon in allen Lebenslagen immer angeschaltet bei sich habend in der Erwartung eines sofort zu erfüllenden On-demand-Arbeitsauftrages.

Ein Bekannter von mir, der als Freiberufler reichlich Geld mit Spekulation verdient und mir bisher nicht durch soziale Gesinnung aufgefallen ist und mit der Sozialdemokratie noch nie was am Hut hatte, schickte mir vor ein paar Tagen den folgenden Link zusammen mit einer Bemerkung, die ich gerade von ihm nie erwartet hätte:

"Ich habe mich schon immer gewundert, wie positiv das Ganze in den Medien gesehen wurde. Wer hochqualifiziert ist oder Geld hat, meistens beides, hat heute per Knopfdruck den direkten Zugriff auf willfähige Leibeigne. 150 Jahre Sozialdemokratie für die Tonne."

Erstaunlich auch, dass solch ein kritischer Artikel in einem Wirtschaftsmagazin erscheint.

manager magazin hat geschrieben:
Kapitalismus auf Koks - wie die On-Demand-Economy die soziale Marktwirtschaft zerstört
[...]
Einkaufen? Putzen? Die Einkaufs- und Putzhilfe wird heute per App bestellt - IT-Konzerne bringen Kunden und freie Dienstleister gegen Provision zusammen. Was sich zunächst sehr praktisch anhört, könnte schon bald den Sozialpakt aus den Angeln heben: 53 Millionen Freiberufler gibt es in den USA bereits, das sind 33 Prozent der arbeitenden Bevölkerung.

Die On-Demand-Economy hebt die soziale Marktwirtschaft aus den Angeln. Es gibt weder Sozialversicherung noch Feierabend. Es droht ein digitaler Feudalismus.

http://www.manager-magazin.de/magazin/artikel/on-demand-economy-vs-soziale-marktwirtschaft-a-1043623.html


Das ist eine sehr einseitige Sicht. Viele Berufe lassen sich ohne dauerhafte Anwesenheit gar nicht ausüben. Und Rufbereitschaften, die mit Arbeitspflicht verbunden sind, sind in den letzten Jahren von der Bezahlung her sogar deutlich gestärkt worden. Selbständige und Gewerbetreibende sind demgegenüber schon immer darauf angewiesen gewesen, dass ihre Kunden zu ihnen kommen und "on demand" dann für diese arbeiten. Ist der Unterschied wirklich so gross? Wie ist es mit den ganzen Putzfrauen? In der Regel gibt es keine Monatsvergütung, sondern vergütung nach Abfrage. Und auch das funktioniert.


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 Betreff des Beitrags: Re: On-Demand-Economy
BeitragVerfasst: 10 Aug 2015 08:08 
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Fazer hat geschrieben:
SolaBona hat geschrieben:
Bisher kannte ich den Begriff "on-demand" im Zusammenhang mit zeitnaher Produktion/Lieferung von Waren/Fertigungsteilen auf Abruf, damit Lagerhaltungskosten gespart werden können.

Aber auch der Arbeitsmarkt scheint sich mehr und mehr daran auszurichten. Ein unangenehmer Gedanke. Man stelle sich vor, dass immer mehr der berufstätigen Bevölkerung nur noch auf Abruf arbeiten sollen; das Mobiltelefon in allen Lebenslagen immer angeschaltet bei sich habend in der Erwartung eines sofort zu erfüllenden On-demand-Arbeitsauftrages.

Ein Bekannter von mir, der als Freiberufler reichlich Geld mit Spekulation verdient und mir bisher nicht durch soziale Gesinnung aufgefallen ist und mit der Sozialdemokratie noch nie was am Hut hatte, schickte mir vor ein paar Tagen den folgenden Link zusammen mit einer Bemerkung, die ich gerade von ihm nie erwartet hätte:

"Ich habe mich schon immer gewundert, wie positiv das Ganze in den Medien gesehen wurde. Wer hochqualifiziert ist oder Geld hat, meistens beides, hat heute per Knopfdruck den direkten Zugriff auf willfähige Leibeigne. 150 Jahre Sozialdemokratie für die Tonne."

Erstaunlich auch, dass solch ein kritischer Artikel in einem Wirtschaftsmagazin erscheint.

manager magazin hat geschrieben:
Kapitalismus auf Koks - wie die On-Demand-Economy die soziale Marktwirtschaft zerstört
[...]
Einkaufen? Putzen? Die Einkaufs- und Putzhilfe wird heute per App bestellt - IT-Konzerne bringen Kunden und freie Dienstleister gegen Provision zusammen. Was sich zunächst sehr praktisch anhört, könnte schon bald den Sozialpakt aus den Angeln heben: 53 Millionen Freiberufler gibt es in den USA bereits, das sind 33 Prozent der arbeitenden Bevölkerung.

Die On-Demand-Economy hebt die soziale Marktwirtschaft aus den Angeln. Es gibt weder Sozialversicherung noch Feierabend. Es droht ein digitaler Feudalismus.

http://www.manager-magazin.de/magazin/artikel/on-demand-economy-vs-soziale-marktwirtschaft-a-1043623.html

Das ist eine sehr einseitige Sicht. Viele Berufe lassen sich ohne dauerhafte Anwesenheit gar nicht ausüben. Und Rufbereitschaften, die mit Arbeitspflicht verbunden sind, sind in den letzten Jahren von der Bezahlung her sogar deutlich gestärkt worden. Selbständige und Gewerbetreibende sind demgegenüber schon immer darauf angewiesen gewesen, dass ihre Kunden zu ihnen kommen und "on demand" dann für diese arbeiten. Ist der Unterschied wirklich so gross? Wie ist es mit den ganzen Putzfrauen? In der Regel gibt es keine Monatsvergütung, sondern vergütung nach Abfrage. Und auch das funktioniert.

Du meintest sicher nicht dauerhafte "Anwesenheit", sondern dauerhafte "Abrufbarkeit", also ständiges Gewehr bei Fuß stehen.

Die Bezahlung mag auf den ersten flüchtigen Blick gut aussehen, ich habe dafür keine Beispiele. Aber wie sieht es mit dem Arbeitgeberanteil für Kranken- und Rentenversicherung aus? Da der On-Demand Dienstleistende selbständig ist, muss er das alles allein bezahlen. Also, wenn man das berücksichtigt, wird die "deutlich gestärkte" Bezahlung schon nicht mehr so eindrucksvoll aussehen. Wie sieht es mit bezahltem Urlaub aus?

Natürlich mag es diese Art Arbeit immer schon mal gegeben haben. Und das mag hier und da auch sinnvoll sein. Aber die Entwicklung geht immer mehr in diese Richtung, wenn ich dem manager-magazin-Artikel glauben darf (in den USA 33 Prozent der arbeitenden Bevölkerung). Übrigens, Putzfrauen arbeiten meistens nicht on-demand, sondern haben ihre geplanten Zeiten, z.B. abends nach oder morgens vor Bürobeginn.

On-demand-Arbeit ist die Renaissance des Tagelöhnertums, von dem wir glaubten, dass es überwunden sei. Wie mein Bekannter - eigentlich ein neoliberaler Geldscheffler - schrieb: "150 Jahre Sozialdemokratie für die Tonne".

Die Sicherheit, die man für eine längerfristige Lebensplanung braucht, wird weiter unterminiert.
Betroffen davon sollen nicht nur Arbeiter sein sondern z.B. auch Anwälte und Ärzte. Fazer immer Gewehr bei Fuß, wäre das für dich eine verlockende Aussicht? ;)

Wer wird in vielen Fällen am Ende für den Lebensunterhalt im Alter der "On-Demander" geradestehen? Es ist der Staat, ergo die Steuerzahler, die die Altersversorung voll oder teilweise zahlen müssen, da die meisten "On-Demander" keine (ausreichenden) Altersrückstellungen getätigt haben konnten.

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 Betreff des Beitrags: Re: On-Demand-Economy
BeitragVerfasst: 10 Aug 2015 09:35 
SolaBona hat geschrieben:
Fazer hat geschrieben:
SolaBona hat geschrieben:
Bisher kannte ich den Begriff "on-demand" im Zusammenhang mit zeitnaher Produktion/Lieferung von Waren/Fertigungsteilen auf Abruf, damit Lagerhaltungskosten gespart werden können.

Aber auch der Arbeitsmarkt scheint sich mehr und mehr daran auszurichten. Ein unangenehmer Gedanke. Man stelle sich vor, dass immer mehr der berufstätigen Bevölkerung nur noch auf Abruf arbeiten sollen; das Mobiltelefon in allen Lebenslagen immer angeschaltet bei sich habend in der Erwartung eines sofort zu erfüllenden On-demand-Arbeitsauftrages.

Ein Bekannter von mir, der als Freiberufler reichlich Geld mit Spekulation verdient und mir bisher nicht durch soziale Gesinnung aufgefallen ist und mit der Sozialdemokratie noch nie was am Hut hatte, schickte mir vor ein paar Tagen den folgenden Link zusammen mit einer Bemerkung, die ich gerade von ihm nie erwartet hätte:

"Ich habe mich schon immer gewundert, wie positiv das Ganze in den Medien gesehen wurde. Wer hochqualifiziert ist oder Geld hat, meistens beides, hat heute per Knopfdruck den direkten Zugriff auf willfähige Leibeigne. 150 Jahre Sozialdemokratie für die Tonne."

Erstaunlich auch, dass solch ein kritischer Artikel in einem Wirtschaftsmagazin erscheint.

manager magazin hat geschrieben:
Kapitalismus auf Koks - wie die On-Demand-Economy die soziale Marktwirtschaft zerstört
[...]
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Die On-Demand-Economy hebt die soziale Marktwirtschaft aus den Angeln. Es gibt weder Sozialversicherung noch Feierabend. Es droht ein digitaler Feudalismus.

http://www.manager-magazin.de/magazin/artikel/on-demand-economy-vs-soziale-marktwirtschaft-a-1043623.html

Das ist eine sehr einseitige Sicht. Viele Berufe lassen sich ohne dauerhafte Anwesenheit gar nicht ausüben. Und Rufbereitschaften, die mit Arbeitspflicht verbunden sind, sind in den letzten Jahren von der Bezahlung her sogar deutlich gestärkt worden. Selbständige und Gewerbetreibende sind demgegenüber schon immer darauf angewiesen gewesen, dass ihre Kunden zu ihnen kommen und "on demand" dann für diese arbeiten. Ist der Unterschied wirklich so gross? Wie ist es mit den ganzen Putzfrauen? In der Regel gibt es keine Monatsvergütung, sondern vergütung nach Abfrage. Und auch das funktioniert.

Du meintest sicher nicht dauerhafte "Anwesenheit", sondern dauerhafte "Abrufbarkeit", also ständiges Gewehr bei Fuß stehen.

Die Bezahlung mag auf den ersten flüchtigen Blick gut aussehen, ich habe dafür keine Beispiele. Aber wie sieht es mit dem Arbeitgeberanteil für Kranken- und Rentenversicherung aus? Da der On-Demand Dienstleistende selbständig ist, muss er das alles allein bezahlen. Also, wenn man das berücksichtigt, wird die "deutlich gestärkte" Bezahlung schon nicht mehr so eindrucksvoll aussehen. Wie sieht es mit bezahltem Urlaub aus?

Natürlich mag es diese Art Arbeit immer schon mal gegeben haben. Und das mag hier und da auch sinnvoll sein. Aber die Entwicklung geht immer mehr in diese Richtung, wenn ich dem manager-magazin-Artikel glauben darf (in den USA 33 Prozent der arbeitenden Bevölkerung). Übrigens, Putzfrauen arbeiten meistens nicht on-demand, sondern haben ihre geplanten Zeiten, z.B. abends nach oder morgens vor Bürobeginn.

On-demand-Arbeit ist die Renaissance des Tagelöhnertums, von dem wir glaubten, dass es überwunden sei. Wie mein Bekannter - eigentlich ein neoliberaler Geldscheffler - schrieb: "150 Jahre Sozialdemokratie für die Tonne".

Die Sicherheit, die man für eine längerfristige Lebensplanung braucht, wird weiter unterminiert.
Betroffen davon sollen nicht nur Arbeiter sein sondern z.B. auch Anwälte und Ärzte. Fazer immer Gewehr bei Fuß, wäre das für dich eine verlockende Aussicht? ;)

Wer wird in vielen Fällen am Ende für den Lebensunterhalt im Alter der "On-Demander" geradestehen? Es ist der Staat, ergo die Steuerzahler, die die Altersversorung voll oder teilweise zahlen müssen, da die meisten "On-Demander" keine (ausreichenden) Altersrückstellungen getätigt haben konnten.


Warum versuchst du umzuinterpretieren, wo dafür kein Raum ist? Ich sage es noch mal: Viele Berufe lassen sich ohne dauerhafte Anwesenheit gar nicht ausüben. An dieser Aussage gibt es wenig rumzudeuteln. Sie gilt für alle Industriejobs, für die Arbeitsplätze im Handel, etc. Wir haben 42 mio sozialversicherungspflichtige Arbeitnehmer. Bei 80 mio Deutschen. Wo sind die Unmengen an sozialversicherungsfreien Arbeitsplätze on Demand, die da heraufbeschworen werden?

Und dann meinst du, Anwälte müssten das fürchten? Auch da scheinst du meinen Beitrag nicht zu lesen. Gerade Anwälte, aber auch alle Selbständigen und Handwerker leben doch schon seit jeher nach diesem Prinzip. Der selbständige Anwalt bekommt dann seine Einkünfte, wenn ein Mandant zu ihm kommt. Kommt keiner, hat er keine Einkünfte. Das ist Chance und Risiko von Selbständigkeit.

Solltest du jetzt meinen, das liesse sich so einfach auf Arbeitnehmer ausdehnen solltest du mal zum Thema "Scheinselbständigkeit" lesen. Wenn ein Arbeitgeber jemand dauerhaft nur für ihn arbeiten lässt, und dieser auch noch jederzeit Rufbereitschaft hätte, dann sind wir hier sehr schnell in einem sozialversicherungspflichtigen Arbeitsverhältnis.

Zu den Putzfrauen: es sollen ca. 4 mio Putzfrauen in deutschen Privathaushalten arbeiten. Die bekommen alle Bezahlung nach "on demand".


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 Betreff des Beitrags: Re: On-Demand-Economy
BeitragVerfasst: 10 Aug 2015 09:37 
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Beiträge: 1424
Manager-Magazin hat geschrieben:
Wachstum und Fortschritt basieren seit je auf Effizienzgewinnen, sie haben uns erst aus der Abhängigkeit der Scholle und später aus dem Elend der frühen Industrialisierung befreit. Nun schreitet der Kapitalismus in die nächste Phase dieser Befreiung: Die neuen Fuß- und Kopfarbeiter können jederzeit frei entscheiden, wann, wie und für wen sie arbeiten wollen. Libertäre Valley-Ideologen sind begeistert.

Die Betroffenen oft weniger. Denn die Entwicklung hat längst auch qualifiziertere Berufe wie Anwälte (Upcounsel), Programmierer (Topcoder), Consultants (Eden McCallum) oder Vertriebler (Universal Avenue) erfasst. Die Plattform Upwork vermittelt bereits 9,3 Millionen Fachkräfte an rund 3,7 Millionen Firmen in der ganzen Welt.

...Arbeit wird völlig neu organisiert, Unternehmen werden von Menschen entkernt: die Digitalisierung als Neutronenbombe.


Ob das "wirklich so gut ist" ? Das darf man getrost bezweifeln. Wenn sich durch derartige Methoden immer mehr bislang "fixe Arbeitsverhältnisse" zwangsentsolidarisieren, kann das für die betroffenen Gesellschaften den letzten Kitt aus den Fugen kratzen. Übrig bleiben haltlose Massen von stets Verfügbaren. Deren Lebensplanung dürfte finster aussehen. Was so zwangsweise zum Vorschein kommt, ist die reale Kluft zwischen für die Produktion noch notwendigen menschlichen Arbeitskräfte und die inzwischen schon sehr vielen, die dieses System längst nicht mehr benötigt. Ein Tatsache, welche durch gewachsene soziale Errungenschaften, momentan noch einigermaßen verborgen bleibt.

Der "industriellen Revolution" muss etwas folgen, was den Unsinn sich auch im 21. Jahrhundert ausschließlich durch "Arbeit" zu definieren, durch sinnvolle gesellschaftliche Veränderungen vermeidet. Das ich dabei weder Marx noch andere Ideologien im Sinn habe, dürfte hoffentlich klar sein...

Wenn das selbst in der "1. Welt", mit den nun allmählich an die tatsächlichen Lebensverhältnisse angepassten Geburtenraten schief geht, wie werden sich diese unsinnigen Entwicklungen für den "Rest" der ca. 7,3 Milliarden Menschen auswirken ? Immer noch liegt der jährliche Zuwachs bei ~1,1% von Menschen, die keiner mehr braucht und für die es weder 80,3 Millionen JÄHRLICH zusätzlich neue ! Arbeitsplätze geben wird, noch die erforderliche Ressourcen die auch bei optimistischster „Weltsicht“ erkennbar zur Neige gehen. Dieser scheinbar ach so geringe Prozentsatz an jährlicher „Nettozunahme“, führt (für die Enkel durchaus noch erlebbar) zu 14,6 Milliarden Erdbevölkerung in ~64 Jahren. Jeder geringere Zunahme wäre „wünschenswert“ - jetzt 0 % (nicht in Sicht !) würde die vermutlich gerade noch zu verkraftenden 7,3 Milliarden Menschen zumindest erhalten.

Allerdings wohl kaum, wenn alle so weitermachen wie bisher. Da sind solche gesellschaftlichen Fehlentwicklungen womöglich der Funke an der Lunte….

Diese Teilentwicklung ist nicht das einzige Problem das sich immer deutlicher zeigt. Nur weiß ich nicht, ob das hier der rechte Ort ist diese Dinge ohne den üblichen "Kampfgeist" wenigstens mal sichtbar werden zu lassen...

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 Betreff des Beitrags: Re: On-Demand-Economy
BeitragVerfasst: 10 Aug 2015 09:47 
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Wer diese Situation selbst erlebt oder davon weiss, setzt als verantwortungsvoller Mensch keine Kinder mehr in diese Welt - und damit ist ein Ziel (falls man das so nennen will) der NWO erreicht

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 Betreff des Beitrags: Re: On-Demand-Economy
BeitragVerfasst: 10 Aug 2015 09:53 
Quijota hat geschrieben:
Wer diese Situation selbst erlebt oder davon weiss, setzt als verantwortungsvoller Mensch keine Kinder mehr in diese Welt - und damit ist ein Ziel (falls man das so nennen will) der NWO erreicht


Oh ja, diese NWO ist damit ja auch sehr erfolgreich. Seit Jahrzehnten nimmt die Weltbevölkerung ab, auch für die Zukunft sind keinerlei Anstiege mehr vorhersehbar. Die Leute hinter der NWO sind wirklich Schlaumeier!


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 Betreff des Beitrags: Re: On-Demand-Economy
BeitragVerfasst: 10 Aug 2015 10:44 
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Fazer hat geschrieben:
SolaBona hat geschrieben:
Fazer hat geschrieben:
SolaBona hat geschrieben:
Bisher kannte ich den Begriff "on-demand" im Zusammenhang mit zeitnaher Produktion/Lieferung von Waren/Fertigungsteilen auf Abruf, damit Lagerhaltungskosten gespart werden können.

Aber auch der Arbeitsmarkt scheint sich mehr und mehr daran auszurichten. Ein unangenehmer Gedanke. Man stelle sich vor, dass immer mehr der berufstätigen Bevölkerung nur noch auf Abruf arbeiten sollen; das Mobiltelefon in allen Lebenslagen immer angeschaltet bei sich habend in der Erwartung eines sofort zu erfüllenden On-demand-Arbeitsauftrages.

Ein Bekannter von mir, der als Freiberufler reichlich Geld mit Spekulation verdient und mir bisher nicht durch soziale Gesinnung aufgefallen ist und mit der Sozialdemokratie noch nie was am Hut hatte, schickte mir vor ein paar Tagen den folgenden Link zusammen mit einer Bemerkung, die ich gerade von ihm nie erwartet hätte:

"Ich habe mich schon immer gewundert, wie positiv das Ganze in den Medien gesehen wurde. Wer hochqualifiziert ist oder Geld hat, meistens beides, hat heute per Knopfdruck den direkten Zugriff auf willfähige Leibeigne. 150 Jahre Sozialdemokratie für die Tonne."

Erstaunlich auch, dass solch ein kritischer Artikel in einem Wirtschaftsmagazin erscheint.

manager magazin hat geschrieben:
Kapitalismus auf Koks - wie die On-Demand-Economy die soziale Marktwirtschaft zerstört
[...]
Einkaufen? Putzen? Die Einkaufs- und Putzhilfe wird heute per App bestellt - IT-Konzerne bringen Kunden und freie Dienstleister gegen Provision zusammen. Was sich zunächst sehr praktisch anhört, könnte schon bald den Sozialpakt aus den Angeln heben: 53 Millionen Freiberufler gibt es in den USA bereits, das sind 33 Prozent der arbeitenden Bevölkerung.

Die On-Demand-Economy hebt die soziale Marktwirtschaft aus den Angeln. Es gibt weder Sozialversicherung noch Feierabend. Es droht ein digitaler Feudalismus.

http://www.manager-magazin.de/magazin/artikel/on-demand-economy-vs-soziale-marktwirtschaft-a-1043623.html

Das ist eine sehr einseitige Sicht. Viele Berufe lassen sich ohne dauerhafte Anwesenheit gar nicht ausüben. Und Rufbereitschaften, die mit Arbeitspflicht verbunden sind, sind in den letzten Jahren von der Bezahlung her sogar deutlich gestärkt worden. Selbständige und Gewerbetreibende sind demgegenüber schon immer darauf angewiesen gewesen, dass ihre Kunden zu ihnen kommen und "on demand" dann für diese arbeiten. Ist der Unterschied wirklich so gross? Wie ist es mit den ganzen Putzfrauen? In der Regel gibt es keine Monatsvergütung, sondern vergütung nach Abfrage. Und auch das funktioniert.

Du meintest sicher nicht dauerhafte "Anwesenheit", sondern dauerhafte "Abrufbarkeit", also ständiges Gewehr bei Fuß stehen.

Die Bezahlung mag auf den ersten flüchtigen Blick gut aussehen, ich habe dafür keine Beispiele. Aber wie sieht es mit dem Arbeitgeberanteil für Kranken- und Rentenversicherung aus? Da der On-Demand Dienstleistende selbständig ist, muss er das alles allein bezahlen. Also, wenn man das berücksichtigt, wird die "deutlich gestärkte" Bezahlung schon nicht mehr so eindrucksvoll aussehen. Wie sieht es mit bezahltem Urlaub aus?

Natürlich mag es diese Art Arbeit immer schon mal gegeben haben. Und das mag hier und da auch sinnvoll sein. Aber die Entwicklung geht immer mehr in diese Richtung, wenn ich dem manager-magazin-Artikel glauben darf (in den USA 33 Prozent der arbeitenden Bevölkerung). Übrigens, Putzfrauen arbeiten meistens nicht on-demand, sondern haben ihre geplanten Zeiten, z.B. abends nach oder morgens vor Bürobeginn.

On-demand-Arbeit ist die Renaissance des Tagelöhnertums, von dem wir glaubten, dass es überwunden sei. Wie mein Bekannter - eigentlich ein neoliberaler Geldscheffler - schrieb: "150 Jahre Sozialdemokratie für die Tonne".

Die Sicherheit, die man für eine längerfristige Lebensplanung braucht, wird weiter unterminiert.
Betroffen davon sollen nicht nur Arbeiter sein sondern z.B. auch Anwälte und Ärzte. Fazer immer Gewehr bei Fuß, wäre das für dich eine verlockende Aussicht? ;)

Wer wird in vielen Fällen am Ende für den Lebensunterhalt im Alter der "On-Demander" geradestehen? Es ist der Staat, ergo die Steuerzahler, die die Altersversorung voll oder teilweise zahlen müssen, da die meisten "On-Demander" keine (ausreichenden) Altersrückstellungen getätigt haben konnten.


Warum versuchst du umzuinterpretieren, wo dafür kein Raum ist? Ich sage es noch mal: Viele Berufe lassen sich ohne dauerhafte Anwesenheit gar nicht ausüben. An dieser Aussage gibt es wenig rumzudeuteln. Sie gilt für alle Industriejobs, für die Arbeitsplätze im Handel, etc. Wir haben 42 mio sozialversicherungspflichtige Arbeitnehmer. Bei 80 mio Deutschen. Wo sind die Unmengen an sozialversicherungsfreien Arbeitsplätze on Demand, die da heraufbeschworen werden?

Und dann meinst du, Anwälte müssten das fürchten? Auch da scheinst du meinen Beitrag nicht zu lesen. Gerade Anwälte, aber auch alle Selbständigen und Handwerker leben doch schon seit jeher nach diesem Prinzip. Der selbständige Anwalt bekommt dann seine Einkünfte, wenn ein Mandant zu ihm kommt. Kommt keiner, hat er keine Einkünfte. Das ist Chance und Risiko von Selbständigkeit.

Solltest du jetzt meinen, das liesse sich so einfach auf Arbeitnehmer ausdehnen solltest du mal zum Thema "Scheinselbständigkeit" lesen. Wenn ein Arbeitgeber jemand dauerhaft nur für ihn arbeiten lässt, und dieser auch noch jederzeit Rufbereitschaft hätte, dann sind wir hier sehr schnell in einem sozialversicherungspflichtigen Arbeitsverhältnis.

Zu den Putzfrauen: es sollen ca. 4 mio Putzfrauen in deutschen Privathaushalten arbeiten. Die bekommen alle Bezahlung nach "on demand".

Du willst nicht auf "On-Demand" eingehen oder weißt nicht, was es genau bedeutet. Da ist man nicht dauernd anwesend, sondern auf (spontanen) Kundenwunsch allüberall und andauernd abrufbar. In der Zwischenzeit ist Leerlauf. D.h. Man kann seine Arbeitszeit nicht einteilen, man kann kaum Feierabend machen. Profitieren davon (und das nicht schlecht) tun die Vermittler.

Du schreibst von Selbständigen und Freiberuflern, die natürlich von ihren Kunden/ihrer Klientell abhängig sind, um existieren zu können. Ich meine aber z.B. den Fall, wenn der Inhaber einer Anwaltskanzlei einem seiner Juristen den Bescheid gibt: "Ab Ende des Quartals sind sie nicht mehr angestellt, sondern haben sich ständig auf Abruf bereitzuhalten, sonst können Sie gehen."

Nochmal: Es ist Tagelöhnertätigkeit, die vielleicht ein junger, familiär ungebunder Mensch vorübergehend machen kann, die aber für die meisten Arbeitenden auf Grund ihrer familiären/finanziellen Verpflichtungen nicht geeignet ist.

Meine Hoffnung ist, dass Firmen, die (überwiegend) mit On-Demandern arbeiten, merken, dass auf Dauer ihre Kunden möglicherweise weniger zufrieden sind und weniger Kundenbindung entwickeln.

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Kanzlerin Merkel versucht vergeblich Probleme zu lösen, die Deutschland ohne sie niemals gehabt hätte (David Schaub)


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 Betreff des Beitrags: Re: On-Demand-Economy
BeitragVerfasst: 10 Aug 2015 11:17 
SolaBona hat geschrieben:
Du willst nicht auf "On-Demand" eingehen oder weißt nicht, was es genau bedeutet. Da ist man nicht dauernd anwesend, sondern auf (spontanen) Kundenwunsch allüberall und andauernd abrufbar. In der Zwischenzeit ist Leerlauf. D.h. Man kann seine Arbeitszeit nicht einteilen, man kann kaum Feierabend machen. Profitieren davon (und das nicht schlecht) tun die Vermittler.


Oh doch, ich gehe darauf ein. Meine Antworst ist aber, dass die meisten Berufe gar nicht anders als durch dauerhafte Anwesenheit am Arbeitsplatz zu erfüllen sind. Das schliesst eine echte On-Demand Tätigkeit aus. Und das betrifft in Deutschland ca. 42 mio sozialversicherungspflichtige Jobs.

Der Beitrag in MM erscheint mir etwas reisserisch. Insbesondere bringt er Beispiele aus den USA und will diese wohl einfach so auf Deutschland anwenden. Das schliesst sich aber aus. Wie ich schon schrieb: in D haben in den letzten Jahren z.B. Feuerwehrleute oder Leute in medizinischen Berufen geklagt und in vielen Fällen Rufbereitschaften mit vollem Stundenlohn bezahlt bekommen. Die echte Verpflichtung zur Verfügbarkeit auf Abruf führt zu einem Arbeitsvertrag. Wie gesagt, schau dir mal an, ab wann Scheinselbständigkeit vorliegt. Selbst in den USA klagen Uber Fahrer ja schon auf Einstellung.

SolaBona hat geschrieben:
Du schreibst von Selbständigen und Freiberuflern, die natürlich von ihren Kunden/ihrer Klientell abhängig sind, um existieren zu können. Ich meine aber z.B. den Fall, wenn der Inhaber einer Anwaltskanzlei einem seiner Juristen den Bescheid gibt: "Ab Ende des Quartals sind sie nicht mehr angestellt, sondern haben sich ständig auf Abruf bereitzuhalten, sonst können Sie gehen."


Das ist im übrigen auch nichts wirklich neues. Die Frage ist, wie denn dann der Jurist bezahlt wird, dem das passiert. Entweder kann er das Honorar behalten, dass die Klienten dann bezahlen, oder er ist abhängig beschäftigt. Dann wird aber eben auch die "Rufbereitschaft" bezahlt.

SolaBona hat geschrieben:
Nochmal: Es ist Tagelöhnertätigkeit, die vielleicht ein junger, familiär ungebunder Mensch vorübergehend machen kann, die aber für die meisten Arbeitenden auf Grund ihrer familiären/finanziellen Verpflichtungen nicht geeignet ist.

Meine Hoffnung ist, dass Firmen, die (überwiegend) mit On-Demandern arbeiten, merken, dass auf Dauer ihre Kunden möglicherweise weniger zufrieden sind und weniger Kundenbindung entwickeln.


Mit dem Argument dass das zu unsicher ist dürfte sich an sich niemand selbständig machen, kein Kioskbetreiber, kein Restaurantbetreiber, kein Anwalt, kein Arzt. Die Frage ist doch , ob mit wirklichen "On demand" Tätigkeiten denn sozialversicherungspflichtige Arbeit ersetzt wird oder nicht. Die Beispiele in dem MM Beitrag zeigen das nicht wirklich. Wenn da ein Student für andere Einkaufen geht ersetzt er nur die Einkaufstätigkeit des Bürgers, die dieser sonst selbst erledigt hätte. Das ist ZUSÄTZLICHE Arbeit, die geschaffen wird. Das mag nicht toll bezahlt sein, aber der Beitrag sagt auch, dass viele dieser Art Jobs von Leuten ausgeübt werden, die damit nur anderes Einkommen aufbessern. Oder von Studenten, die das zusätzlich zum Bafög verdienen.


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 Betreff des Beitrags: Re: On-Demand-Economy
BeitragVerfasst: 10 Aug 2015 11:47 
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Wenn Viele 0n-demand arbeiten, werden sicher auch weniger Kredite nachgefragt, weil die Einkommensituation zu unsicher ist. Andererseits haben bei diesem System sicher auch Ältere und Leute, die nicht ganztägig zur Verfügung stehen können, eine Chance - aber eben alles ohne Einkommensgarantie. Wäre ich Vermieter, würde ich mir überlegen, ob ich einen Mieter akzeptieren würde, der on-demand arbeitet. Wenn sich dieses System durchsetzt, wird es die gesamte Gesellschaft umkrempeln. Ob working-on-demand für bereits bestehende Familien von Vorteil ist, bleibt abzuwarten. Ich stelle mir das gerade vor: Mutter arbeitet gerade "auf Bestellung" und kann das Kind nicht vom Kindergarten abholen, also ruft sie bei der Agentur an und bestellt eineN AbholerIn. Unter dem Strich hat sie dann für lau gearbeitet...

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 Betreff des Beitrags: Re: On-Demand-Economy
BeitragVerfasst: 10 Aug 2015 12:17 
Quijota hat geschrieben:
Wenn Viele 0n-demand arbeiten, werden sicher auch weniger Kredite nachgefragt, weil die Einkommensituation zu unsicher ist. Andererseits haben bei diesem System sicher auch Ältere und Leute, die nicht ganztägig zur Verfügung stehen können, eine Chance - aber eben alles ohne Einkommensgarantie. Wäre ich Vermieter, würde ich mir überlegen, ob ich einen Mieter akzeptieren würde, der on-demand arbeitet. Wenn sich dieses System durchsetzt, wird es die gesamte Gesellschaft umkrempeln. Ob working-on-demand für bereits bestehende Familien von Vorteil ist, bleibt abzuwarten. Ich stelle mir das gerade vor: Mutter arbeitet gerade "auf Bestellung" und kann das Kind nicht vom Kindergarten abholen, also ruft sie bei der Agentur an und bestellt eineN AbholerIn. Unter dem Strich hat sie dann für lau gearbeitet...


Das letzte Beispiel ist super.

Denn ohne die Möglichkeit, in einem Notfall "on demand" eine Abholung zu organisieren kann die Mutter vielleicht gar nicht erst ihren Job ausüben. Kinderbetreuung ist für viele Familien ein kostspieliges Problem - weniger die reguläre planbare, sondern diejenige, die notwendig wird, wenn der Job selber nicht immer planbar ist. Bisher war die Wahl dann den Job gar nicht zu machen. Ein On Demand Abholdienst kostet dann vielleicht an dem einen Tag einen Gutteil des Verdienstes, erlaubt aber der Mutter berufstätig zu sein. Und wie in dem Beispiel zuvor: die Abholung wurde vorher durch die Mutter gemacht, der Abholdienst ist eine zusätzliche Arbeit, verdrängt keinen sozialversicherungspflichtigen Job.


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