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 Betreff des Beitrags: Alles rund um die Kernkraft
BeitragVerfasst: 04 Feb 2011 11:54 
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Bundesverfassungsgericht soll Laufzeitverlängerung für Atomkraftwerke stoppen

Silvio Duwe 04.02.2011
Die Umweltschutzorganisation Greenpeace reicht gemeinsam mit Anwohnern Verfassungsbeschwerde ein
Die von der schwarz-gelben Bundesregierung beschlossene Verlängerung der Laufzeiten für Atomkraftwerke beschäftigt seit dem Donnerstag das Bundesverfassungsgericht. Wie Greenpeace in Berlin [extern] mitteilt, hat sie zusammen mit Anwohnern der ältesten Kraftwerke Verfassungsbeschwerde eingereicht. Damit kommt die Organisation den [extern] SPD-regierten Ländern sowie den [extern] Bundestagsfraktionen von Grünen und SPD zuvor, die ebenfalls nach Karlsruhe ziehen wollen, um die Änderung des Atomgesetzes zu Fall zu bringen. Während diese jedoch vor allem prüfen lassen wollen, ob das Gesetz korrekt zustande gekommen ist oder ob der Bundesrat hätte mitentscheiden müssen, stellt Greenpeace die Sicherheit der Kraftwerke und damit die Atomstromerzeugung generell in Frage.
weiter:
http://www.heise.de/tp/r4/artikel/34/34139/1.html

Ich würde mir wünschen, dass die Klage Erfolg hat, aber realistisch gesehen, sehe ich eher schwarz-gelbe Reflexe in den Augen der RichterInnen...

_________________
EU: »Wir beschließen etwas, stellen das dann in den Raum und warten einige Zeit ab, was passiert...
(Juncker), nachzulesen im Spiegel
Kaufen, was einem die Kartelle vorwerfen; lesen, was einem die Zensoren erlauben; glauben, was einem die Kirche und Partei gebieten. Beinkleider werden zur Zeit mittelweit getragen. Freiheit gar nicht. - Kurt Tucholsky
T. Jefferson: Die Wahrheit steht von alleine aufrecht, die Lüge bedarf der Stütze des Staates.


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 Betreff des Beitrags: Re: Alles rund um die Kernkraft
BeitragVerfasst: 15 Feb 2011 19:13 
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Falls ihr jetzt der Meinung seid, dass dieser Beitrag ins "Ausland" soll, dann bitte verschieben
Greenpeace besetzt spanisches Atomkraftwerk

Die Umweltschutzorganisation beweist erneut, wie schwach die Sicherheitsvorkehrungen sind
Es ist nicht das erste Mal, dass die spanische Sektion von Greenpeace ein Atomkraftwerk besetzt. Schon 2002 hatte die Organisation zum Tschernobyl-Jahrestag den Meiler im südspanischen Zorita besetzt, dem sogar die Atomaufsichtsbehörde (CSN) [local] bescheinigt hatte, er sei "alt, obsolet und weise Fehler auf." Am frühen Dienstag drangen Greenpeace-Aktivisten in das Atomkraftwerk Cofrentes in der Provinz Valencia ein. Sechs Kletterer haben nach [extern] Angaben der Organisation einen der Kühltürme bestiegen. Dort brachten sie im strömenden Regen die Aufschrift an: "Peligro nuclear" (Atomare Gefahr).
weiter:
http://www.heise.de/tp/r4/artikel/34/34201/1.html

Ich wette, das betrifft auch dt. AKWs...

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 Betreff des Beitrags: Re: Alles rund um die Kernkraft
BeitragVerfasst: 15 Feb 2011 20:15 
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Moderaor - z.Zt. a.D.

Registriert: 25 Jan 2011 16:23
Beiträge: 2074
Es duerfte wahrscheinlich sein, dass die kuehltuerme eher geentert werden koennen als die Meilerkuppel oder die turbinenhallen. die Kuehltuerme stehen meistens recht einsam etwas ab vom eigentlichen Meiler und den turbinenhallen.
Was an einem Kuehlturm allerdings "peligro nuclear" sein soll ist mir nicht ganz klar. Dort werden die Kuehlwaesser aus dem tertiaeren Wassersystem mit Aussenluft gekuehlt.
hier ein link, der das veranschaulicht und relativ untechnisch gehalten wurde mit netten Graphiken.
http://www.kernenergie.ch/de/akw-technik.html

Der gruene (tertiaere) Wasserkreislauf geht in die Kuehltuerme. Bei dem Siedewasserreaktor kommt schwach radioaktiver Dampf in die Turbine - jedoch nicht in direkten kontakt mit dem teritaeren Wasser. Der Druckwasserreaktor ist mir lieber, da bleibt jegliche Radioaktivitaet in der Kuppel und es wird noch ein sekundaerkreislauf zwischen geschaltet.

Auf jeden Fall sind die Kuehltuerme so mit das unwichtigste und koennen bestiegen oder auch gesprengt werden ohne, dass das eigentliche Kraftwerk zu Schaden kommt.
Wenn die tertiaerkuehlung ausfaellt wird der Reaktorwasserspiegel gesenkt bis die Brennstaebe nicht mehr reagieren. Das geht schneller, als eine eventuelle ueberhitzung in den Turbinen stattfindet.

Es ist zwar eine Schande, dass ueberhaupt jemand auf ein Kraftwerksgelaende gelangt - aber ich erinnere mich da an meine Kindheit und den THTR Hamm-Uentrop, da konnte man auch bis kurz vor die Kuehltuerme, es gab nur einen Maschendrahtzaun und das eigentliche Kraftwerke lag auf der anderen Seite der Strasse.
Auch dort haette man jederzeit uebern Zaun auf den kuehlturm kommen koennen ohne das Kraftwerk ueberhaupt zu sehen.

Beo


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 Betreff des Beitrags: Re: Alles rund um die Kernkraft
BeitragVerfasst: 16 Feb 2011 10:30 
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Registriert: 27 Jan 2011 12:27
Beiträge: 13464
Genau aus den von Dir genannten Gründen dürften die Kühltürme bestiegen worden sein, aber im Grunde geht es doch um etwas ganz Anderes - und das stand im Artikel...

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 Betreff des Beitrags: Re: Alles rund um die Kernkraft
BeitragVerfasst: 08 Mär 2011 18:43 
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aktiver Forist

Registriert: 04 Feb 2011 12:21
Beiträge: 89
Quijota hat geschrieben:
Sechs Kletterer haben nach [extern] Angaben der Organisation einen der Kühltürme bestiegen. Dort brachten sie im strömenden Regen die Aufschrift an: "Peligro nuclear" (Atomare Gefahr).
weiter:
Ich wette, das betrifft auch dt. AKWs...


Quijota, das Besteigen eines Kühlturmes ist nicht das Besetzen eines Kernkraftwerkes.

Nicht einmal die Besetzeúng des Kontroll-Raums (Warte) wäre gefährlich.
Um eine gefährliche Situation herbeizuführen müssten die Damen und Herren von Greenpeace mindestens drei von vier voneinander unabhängig funktionierende leittechnische Begrenzungseinheiten eindringen und intelligenterweise die Ansprechwerte verstellen. Aber das Eindringen in diese Räume recht umständlich, das schafft nicht einmal die Elite-Truppe der Greenpeace-Organisation.

Ein Kühlturm zu besetzen: das ist für die dummen Spaziergänger, die glauben, es passiert etwas spektakuläres.

Mit solidarischem Gruß

pali


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 Betreff des Beitrags: Re: Alles rund um die Kernkraft
BeitragVerfasst: 09 Mär 2011 00:07 
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Moderaor - z.Zt. a.D.

Registriert: 25 Jan 2011 16:23
Beiträge: 2074
Pali,

nehmen wir mal einen extremen Fall an.
Die dringen gar nicht erst in Schaltwarten ein - die sprengen gleich in der Maschinenhalle oder in der Reaktorkuppel.
Nur wird auch da nicht allzuviel passieren.
Radioaktiver Dampf aus dem Primaerkreis - nur wenn das Wasser einmal verdampft ist fahren die Brennstaebe ja nicht weiter. Fail safe eben.
Oder die turbinen werden gesprengt - nichtradioaktiver Dampf aus dem sekundaerkreis wird freigesetzt, viel Flurschaden und fertig. Das koennten sie auch in jedem Kohlekraftwerk machen.

Um radioaktives Wasserins Grundwasser zu bringen muesste man die Betonfundamentwannen durchbohren oder wegsprengen - die dafuer benoetigtenSprengstoffmengen muessten per LKW antransportiert werden.

Selbst der beruechtigte Kamikaze auf die Reaktorkuppel ist nicht so einfach. Ich stelle mal ein Video ein (falls das geht, teddy...HILFAE) in dem ein Phantom-Jet mit Nachbrenner auf ein Stueck einer Reaktorkuppel geflogen wird. Der Jet auf schienen, die Kuppel ein Nachbau zu eben dem Sicherheitstest.
Der Jet hat sich pulverisiert - das blieb nichts ueber. Auf der Kuppel war ein Oelfleck.
Also muesste mindestens ein Passagierfluggrosses Objekt draufgeflogen werden. Dann stuerzt die Kuppel auf die Reaktorhalle und begraebt das Gebaeude unter sich....und was dann? Selbst wenn das Flugzeug einigermassen heile durchschlaegt und erst innen explodiert wuerde erstmal die reaktorhalle zerdeppert, dann der Primaerkreis verdampft und dann?

Ich meine, dass die ganze Riesenangst mehr Angst vor dem Unbekannten ist. Klar ist eine leicht bis mittelradioaktive Dampfwolke nicht gut - aber auch nicht so apokalyptisch wie manchmal beschrieben.
Damit will ich die Gefahren von Anschlaegen nicht klein reden - aber so dramatisch wie manchmal gerne darg3stellt ist es nicht. Dramatisch ja - apokalyptisch nein.

Beo


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 Betreff des Beitrags: Re: Alles rund um die Kernkraft
BeitragVerfasst: 09 Mär 2011 21:37 
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frischer Forist

Registriert: 09 Mär 2011 21:26
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Beowulf hat geschrieben:
so muesste mindestens ein Passagierfluggrosses Objekt draufgeflogen werden.

was ja nun nicht unrealistisch ist. passagierflugzeug mit vollen kerosintanks zB.

Zitat:
Dann stuerzt die Kuppel auf die Reaktorhalle und begraebt das Gebaeude unter sich....und was dann? Selbst wenn das Flugzeug einigermassen heile durchschlaegt und erst innen explodiert wuerde erstmal die reaktorhalle zerdeppert, dann der Primaerkreis verdampft und dann?

nun, meinst du, dabei bleibt der reaktordruckbehaelter ganz? die steuerstaebe lassen sich noch einfahren? und selbst wenn, meinst du, dann bleiben auch noch sicher genug notkuehlsysteme intakt? wenn ein bisschen wasser aus dem primaerkreislauf verdampft, naja, das siehst du richtig, das ist nicht nicht soooo tragisch. aber mit einer kernschmelze ist nicht zu spassen.


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 Betreff des Beitrags: Re: Alles rund um die Kernkraft
BeitragVerfasst: 09 Mär 2011 22:51 
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aktiver Forist

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holomorph hat geschrieben:
nun, meinst du, dabei bleibt der reaktordruckbehaelter ganz? die steuerstaebe lassen sich noch einfahren? und selbst wenn, meinst du, dann bleiben auch noch sicher genug notkuehlsysteme intakt? wenn ein bisschen wasser aus dem primaerkreislauf verdampft, naja, das siehst du richtig, das ist nicht nicht soooo tragisch. aber mit einer kernschmelze ist nicht zu spassen.


Die Steuerstäbe müssen sich nicht einfahren lassen bzw. sich einwerfen lassen. Dazu ist das 4-strängig ausgelegtes Notkühlsystem (unter der Erde, unter Betondecke installiert) da, das Bohr einspeist.

Bisher gab es nur in Three Mile Island (USA) eine beinahe Kernschmelze, die letztendlich nicht eingetroffen ist.


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 Betreff des Beitrags: Re: Alles rund um die Kernkraft
BeitragVerfasst: 09 Mär 2011 23:01 
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frischer Forist

Registriert: 09 Mär 2011 21:26
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pali hat geschrieben:
holomorph hat geschrieben:
nun, meinst du, dabei bleibt der reaktordruckbehaelter ganz? die steuerstaebe lassen sich noch einfahren? und selbst wenn, meinst du, dann bleiben auch noch sicher genug notkuehlsysteme intakt? wenn ein bisschen wasser aus dem primaerkreislauf verdampft, naja, das siehst du richtig, das ist nicht nicht soooo tragisch. aber mit einer kernschmelze ist nicht zu spassen.


Die Steuerstäbe müssen sich nicht einfahren lassen bzw. sich einwerfen lassen. Dazu ist das 4-strängig ausgelegtes Notkühlsystem (unter der Erde, unter Betondecke installiert) da, das Bohr einspeist.
und die notstrom-generatoren fuer das notkuehlsystem, alles unterirdisch unter der betondecke, und die betondecke haelt auch? mir scheint das etwas arg optimistisch, dass da ein passagierflugzeug voll kerosin draufdonnert und du meinst, dass hinterher noch alles notwendige funktioniert.


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 Betreff des Beitrags: Re: Alles rund um die Kernkraft
BeitragVerfasst: 10 Mär 2011 02:51 
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Moderaor - z.Zt. a.D.

Registriert: 25 Jan 2011 16:23
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holomorph hat geschrieben:
pali hat geschrieben:
holomorph hat geschrieben:
nun, meinst du, dabei bleibt der reaktordruckbehaelter ganz? die steuerstaebe lassen sich noch einfahren? und selbst wenn, meinst du, dann bleiben auch noch sicher genug notkuehlsysteme intakt? wenn ein bisschen wasser aus dem primaerkreislauf verdampft, naja, das siehst du richtig, das ist nicht nicht soooo tragisch. aber mit einer kernschmelze ist nicht zu spassen.


Die Steuerstäbe müssen sich nicht einfahren lassen bzw. sich einwerfen lassen. Dazu ist das 4-strängig ausgelegtes Notkühlsystem (unter der Erde, unter Betondecke installiert) da, das Bohr einspeist.
und die notstrom-generatoren fuer das notkuehlsystem, alles unterirdisch unter der betondecke, und die betondecke haelt auch? mir scheint das etwas arg optimistisch, dass da ein passagierflugzeug voll kerosin draufdonnert und du meinst, dass hinterher noch alles notwendige funktioniert.


Die Antwort ist einfach - ja, das allernoetigste ist dafuer ausgelegt. Und nach der Reaktorkuppel kommt die Reaktorhalle, darunter die Wasserbecken, darunter die Notsysteme - wie viele Meter Beton soll das eine Flugzeug denn durchschlagen? Und was soll das brennende Kerosin denn unterirdisch erreichen?

Das soll aber nicht heissen, dass es toll waere, wenn so was passieren wuerde.
Speziell wenn es ein aelterer Siedewasser-Reaktor und kein Druckwasser-typ ist. Das aeltere Modell wuerde schon bei einem Anschlag auf die turbinenhalle Radioaktivitaet freisetzen.
Beim neueren Modell muesste schon was in der Reaktorkuppel demoliert werden - und solange die Kuppel intakt bleibt wird auch das noch isoliert. Selbst im Mega-Gau eines groesseren Kamikaze wuerde nur "vergleichsweise wenig" Radioaktivitaet freigesetzt. Eine Kernschmelze erscheint mir eher ziemlich ausgeschlossen (aber es ist ja bekannt, dass Ings sich schon mal irren). Trotzdem machen sich auch nur leicht oder mittelschwere radioaktive Wolken nicht gut ueber besiedelten Gebieten.
Aeh, mal eine andere Frage - wie stellen wir uns eigentlich z.B. Hiroshima vor?
Das ist eine bluehende Stadt - keine Atomwueste.
Wenn ich das einmal mit einer Dampfwolke vergleiche .....

Beo


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 Betreff des Beitrags: Re: Alles rund um die Kernkraft
BeitragVerfasst: 11 Mär 2011 00:04 
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frischer Forist

Registriert: 09 Mär 2011 21:26
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Beowulf hat geschrieben:
Die Antwort ist einfach - ja, das allernoetigste ist dafuer ausgelegt. Und nach der Reaktorkuppel kommt die Reaktorhalle, darunter die Wasserbecken, darunter die Notsysteme - wie viele Meter Beton soll das eine Flugzeug denn durchschlagen? Und was soll das brennende Kerosin denn unterirdisch erreichen?

ok, dass das alles so weit unterirdisch liegt, war mir nicht bekannt. ich nahm an, dass man beim bau der kkws an solche ereignisse nicht gedacht haette.

hast du - am besten in netz zugaengliches - material dazu? ich faende es sehr beruhigend, wenn ich mich davon ueberzeugen koennte, dass im fall eines gezielten flugzeugabsturzes ausser ein bisschen freigesetztem wasser aus dem primaerkreislauf nicht viel passieren wuerde.


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 Betreff des Beitrags: Re: Alles rund um die Kernkraft
BeitragVerfasst: 11 Mär 2011 23:02 
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frischer Forist

Registriert: 09 Mär 2011 21:26
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Beowulf hat geschrieben:
darunter die Notsysteme

was diese ganzen angeblich so unabhaengigen notsysteme wert sind, sehen wir ja nun aktuell in japan, wo bei gleich *drei* von sechs reaktorbloecken *saemtliche* notstromgeneratoren bis jetzt immer noch nicht angesprungen sind :-(

aber gewiss erklaert mir jetzt einer, dass deutsche technik ja viel viel besser ist als die technik des bezueglich technik ja auf steinzeitlichem niveau befindlichen landes japan...

gut, dass japan weit, weit weg ist...


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 Betreff des Beitrags: Re: Alles rund um die Kernkraft
BeitragVerfasst: 12 Mär 2011 00:20 
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Moderaor - z.Zt. a.D.

Registriert: 25 Jan 2011 16:23
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Ach holo.....wie waere es wenn du erst ein bischen mehr im Netz googelst - oder im einfachsten falle die tagesschau genauer liest...die scheinen ausnahmsweise mal (noch) nicht voellig daneben zu liegen.
Und dann vergleichen wir bitte Aepfel mit Aepfeln. Es ging urspruenglich um Anschlaege, Eindringlinge und Terroranschlaege - das wurde dann zu Flugzeugabstuerzen (gezielt oder nicht) ausgeweitet.

nun reden wir ploetzlich ueber ein Beben im Bereich zwischen 6 und 9 auf der Richterskala. Weisst du wieviele tonnen TNT einem solchen Beben entsprechen?
Das ist ein vielfaches selbst einer vollgetankten 747.
Mich wundert eher, dass bei den Erdverschiebungen und -erschuetterungen ueberhaupt noch was funktioniert. Das liegt wohl daran, dass die Fundamente und Bauweisen der Kraftwerke bis 8.25-Skala ausgelegt gewesen sein sollen (laut tagesschau). Damit wurden die Bauweise nur "gering" ueberlastet. Die duetschen Werke sind glaube ich (wenn ich das per google finde stelle ich es ein) "nur" bis 5.5-Skala geplant.

Zu den Fehlfunktionen der Stromversorgung:
1. Stufe - selbstversorgung...wegen Notabschaltung unterbrochen
2. Stufe - versorgung von aussen...wegen Erdbebenschaeden ist anscheinend das gesamte Netz oder mindestens die Fremdeinspeisung in die Werke demoliert
3. Stufe - eigene fest installierte Dieselgeneratoren....in mindestens einem Fall hat die Flutwelle diese unter Wasser/Schlamm gesetzt, kein wunder, dass die nicht anspringen. Im Falle der Wiederaufbereitungsanlage funktionieren sie ja. Aber oh Schreck...die sollen nicht fuer Dauerbetrieb ausgelegt sein...roflroflrofl. Klar - steht ja auch "Notstrom.." drauf. Dumm nur, dass ich diese Generatoren selber schon bis zu 6 oder 7 Monate im Dauerbetrieb betrieben habe. Die genaue Kapazitaet kenne ich nicht, aber was fuer ein Zementwerk im Notbetrieb reicht sollte wohl fuer die Kuehlsysteme in einem Reaktor auch reichen - da haben die Zementwerke groessere Aggregate am Notstrom haengen. Dieser Teil ist imho mal wieder Panikmache.
4. Stufe - mobile Genratoren wie sie auch z.B. das THW hat......wenn es da nun an einem Kable liegt, das fehlt dann ist das sehr sehr traurig - kann aber auch daran liegen, dass die LAgerhalle in der diese Kabel gelagert warne ebenfalls weggespuelt wurde. Mit Tsunamis hat zu den Bauzeiten eher niemand gerechnet. Taifune und Erdbeben - aber keine Wasserwaende.
5. Stufe - Notbatterien, die Zeit kaufen, bist stufen 3 oder 4 wieder in Schuss sind. Diese funktionieren (noch), wie lange kann ich nicht sagen, dass kann von 6 Stunden bis 3 Tage sein, je nach Typ, Alter und Zustand der Batterieanlagen nach dem Beben und der Ueberflutung.

Das Ausmass der Katastrophe und der Zerstoerung kann man daran erkennen, dass 4 von 5 Redundanzen erschlagen wurden. Wenn nun die Stufen 3 oder 4 nicht rechtzeitig wieder hergestellt werden koennen kann es in der Tat zu einer Kernschmelze kommen. Das heisst uebrigens nicht zwingend, dass es so endet wie Tschernobyl - dort kamen noch Explosionen und Braende dazu, die das radioaktive MAterial in der Athosphaere verteilt haben. Mit Glueck im Unglueck kann man den Mist noch in der Reaktorkuppel versiegeln (solange die Fundamente nicht durch das Beben rissig geworden sind.
Klingt jetzt bloed - aber das ist eine interessante Situation aus ing-technischer Sicht......wenn nicht auch sehr viele Menschen bedroht waeren, die durch die Naturkatastrophe an sich schon genug Probleme haben.

Und nein, holo, die deutschen Werke wuerden jetzt schon vor sich hin strahlen - aeh, wann genau werden wir in Deutschland ein Beben der Staerke 6.6 oder hoeher gefolgt von einer Flutwelle in der Naehe eiens unserer Kraftwerke haben?
Obwohl Japan an staendige Beben gewohnt ist - dieses Ausmass hat dort niemand erwartet.
Und nochmal nein - im Vergleich zu den japanischen Werken sind die deutschen Werke veraltetes Mittelmass. Was nicht gleich heisst, dass man dort nicht sicher werken kann. Das liegt uebrigens auch daran, dass modernisierungen, umbaumassnahmen usw entweder gleich blockiert worden sind oder die Investitionen aufgrundder unsicheren Zukunft auf Eis gelegt worden sind.
Konsequenterweise haette man die dinger schon voe laengerer Zeit zu machen sollen.
Nicht weil sie nicht sicher waeren - sondern weil diese Technologie in Deutschland einfach derart blockiert wird, dass auf Dauer kein ordentlicher Betrieb moeglich ist. Wo der Strom dann herkommen soll weiss ich zwar nicht so Recht auf Anhieb, aber da wird man schon andere Routen finden (teurer aber machbar).

Und nein, holo, per Google habe ich das nicht gefunden. Ich werde mal zu Hause (wo ich in ca. 3 Wochen wieder sein werde) in den aelteren Unterlagen wuehlen. Ich hatte da spasseshalber mal ein VDI-Symposium dazu mitgemacht.

oops, Batterie alle (das ist beim Laptop nicht so schlimm wie beim AKW)- spaeter mehr.

Beo


Teil 2:
Ich beziehe mich einmal auf http://www.tagesschau.de/ausland/fukushima106.html und http://www.bbc.co.uk/news/world-asia-pacific-12709598 sowie http://edition.cnn.com/2011/WORLD/asiap ... n.nuclear/

Irgendwie kann ich mich noch nicht mit den Zahlen anfreunden. In den verschiedenen Nachrichtenquellen werden verschiedene Daten genannt, wie viel Reaktoren nun wo in welchem Zustand sind.
Laut CNN sind uebrigens angeblich auch AKWs im Katastrophengebiet im Normalbetrieb.
Dann ist abgesehen von der tagesschau nur von einem Werk mit schweren Problemen die Rede - vom Endlager habe ich noch keine weiteren Quellen gefunden.
Insgesamt liest sich die tagesschau im Vergleich zu BBC / CNN (und auch anderen Agenturen, die ich nicht reinkopiert habe, die aber jeder googeln kann) wesentlich dramatischer.

Ich versuche mit einem Kollegen in Kontakt zu treten, der gerade in Osaka sein muesste. Sollte ich was genaueres erfahren melde ich mich wieder.


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 Betreff des Beitrags: Re: Alles rund um die Kernkraft
BeitragVerfasst: 12 Mär 2011 13:22 
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aktiver Forist

Registriert: 04 Feb 2011 12:21
Beiträge: 89
Besseres hätte den Grünen und Windmühle-Verfechter nicht passieren können. Mit wollüstigem Genuß lassen sie die Wörter Kernschmelze, Supergau, atomare Katastrophe auf der Zunge zergehen lassen. Sie genießen es. Es ist ein schöner Tag für die Greenpaece, eine Sternstunde für die ewig Mahnenden.

Natürlich die hiesigen Medien, -ich habe heute früh die n-tv gesehen, wo in einer Endlos-Schleife ein deutscher Green Paece-Aktivist kramphaft versuchte die Lage aus 10.000 km Entfernung möglichst pessimistisch zu beschreiben, nicht ausgesprochen; "das haben wir immer gewollt".- tun alles, aus den marginalen Informationen das Ende der Welt zu prophezeien.
Danach wurde der Filmbericht über Tschernobyl aufgesetzt, nur das "Spiel mir das Lied vom Tode" hat gefehlt.

Wir wissen nicht, was in Fukushima passiert ist, warum ein Teil (welches Teil, in welchem Block?) in Reaktorgebäude wahrscheinlich eingestürzt ist, hat eine Kernschmelze tatsächlich stattgefunden, wie weit ist die geschmolzene in das Betonboden eingedrungen, wie viel Strahlenbelastung in die Umwelt freigesetzt?

Japan wurde von einem Naturkatastrophe heimgesucht, von einem Erdbeben und von einem Tsunami. Die vier Verletzten in Fukushima zu bedauern, aber es geht in Japan wahrscheinlich um mehrere Tausend Toten, verschwundene Züge samt Insassen (wer will die Eisenbahn deswegen verbieten?). Hunderttausende sind obdachlos geworden, Tausende gestorben, Tausende sind vermisst, geschweige von den materiellen Schaden. Fukushima ist ein Peanuts. Warten wir es ab, was tatsächlich passiert ist.

Mit solidarischem Gruß

pali


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 Betreff des Beitrags: Re: Alles rund um die Kernkraft
BeitragVerfasst: 12 Mär 2011 13:43 
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reger Freigeist

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Beiträge: 240
pali hat geschrieben:
Fukushima ist ein Peanuts. pali


Du hast sie wohl nicht alle - mehr ist zu deinem schwachsinnigen Erguss eigentlich nicht zu sagen.

Möge dich die Wirklichkeit nicht so strafen, wie so ein Ausspruch das eigentlich verdient hat.

Jeder von uns hofft, dass die gebeutelten Japaner von dieser Geißel verschont bleiben.
Niemand hat im TV behauptet, er wüsste alles - jeder hofft, das Schlimmste werde nicht eintreten.

Man fragt sich, von wem wirst du eigentlich bezahlt ?

quesera


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 Betreff des Beitrags: Re: Alles rund um die Kernkraft
BeitragVerfasst: 12 Mär 2011 15:50 
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Aktivposten ;)

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Beiträge: 2800
Wer die Wahrheit nicht weiß, der ist bloß ein Dummkopf.
Aber wer sie weiß und sie eine Lüge nennt, der ist ein Verbrecher!

Bert Brecht


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 Betreff des Beitrags: Re: Alles rund um die Kernkraft
BeitragVerfasst: 12 Mär 2011 16:32 
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Registriert: 01 Feb 2011 08:20
Beiträge: 2800
Sehr sachliche Beschreibung des augenblicklichen Kenntnisstandes: SZ


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 Betreff des Beitrags: Re: Alles rund um die Kernkraft
BeitragVerfasst: 12 Mär 2011 17:45 
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Beiträge: 13464
Frage an Beo?: Wenn im Umkreis des AKW 3 Leute, die ansonsten nix mit diesem Ding zu tun haben, verstrahlt worden sind, lässt das dann nicht darauf schliessen, dass es zumindest zu einer teilweisen Kernschmelze gekommen ist?
(Dass die jap. Politiker die Bevölkerung verschaukeln ist eh klar (von wegen Tücher vor Mund und Nase halten. Dafür gab es in D früher Aktentschen)

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 Betreff des Beitrags: Re: Alles rund um die Kernkraft
BeitragVerfasst: 12 Mär 2011 20:50 
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Quijota hat geschrieben:
Frage an Beo?: Wenn im Umkreis des AKW 3 Leute, die ansonsten nix mit diesem Ding zu tun haben, verstrahlt worden sind, lässt das dann nicht darauf schliessen, dass es zumindest zu einer teilweisen Kernschmelze gekommen ist?
(Dass die jap. Politiker die Bevölkerung verschaukeln ist eh klar (von wegen Tücher vor Mund und Nase halten. Dafür gab es in D früher Aktentschen)


Hallo Quijota,

ach wenn diese Dinge so einfach einzuordnen waeren.
Die antwort auf Deine Frage ist ein klassisches: Nein, aber...auszuschliessen ist es auch nicht.

Fangen wir mal mit dem Begriff "verstrahlt" an. Wann genau ist eigentlich jemand vestrahlt? Will man es auf die Spitze treiben koennte man argumentieren, dass jemand, der innerhalb einer Woche erst taeglich auf der Sonnenbank war, dann auch noch beim Zahnarzt, dann beim Internisten, dann beim Orhtopaeden und zuletzt nach einem Sportunfall im Krankenhaus geroentgt worden ist (bei durchschnittlich 3 Bildern pro Aktion kommen wir auf 12 Roentgenbilder - das kann (mit aelteren Apparaten) die zulaessige wochendosis eines AKW-Mitarbeiters uebersteigen (sorry im voraus an diejenigen, die sich mit Medizintechnik auskennen - ich nehme es einfach mal als Beispiel und werde wahrscheinlich falsch liegen).
Damit waere diese Person nach Richtlinien und Grenzwerten "verstrahlt" - nur das (wenn ueberhaupt jemals) folgen dieser einmaligen Strahlendosis eher nie auftreten werden.

Oder reden wir bei "verstrahlt" davon, dass jemand innerhalb einiger Stunden oder eines Tages eine Strahlendosis bekommt, dass er/sie mit hoher Wahrscheinlichkeit erkranken wird?
Oder gar eine solche Dosis, dass innerhabb einiger Stunden ein qualvoller Tod eintritt?
Aehnlich kann man uebrigens "betrunken" oder "Alkoholiker" definieren. Laut meinem bescheidenen Wissen bin ich ein bekennender Alkoholiker - denn mein Arzt hat mir mal gesagt, dass laut der medizinischen Definition der konsum von den Gegenwert von durchschnittlich 2 (oder waren es drei?) Flaschen Bier pro Tag einen "Alkoholiker" kennzeichnet...ach du heil'ges Blechle, dann sind 80% aller Baustellenmitarbeiter Schweralkoholiker....so aehnlich ist es auch mit dem "verstrahlen".

Was haben die Medien also genau mit "verstrahlt" sagen wollen? Dazu habe ich noch keine Infos gefunden.
Ist es der erste oder zweite Fall - dann muss die Ursache keine Kernschmelze sein. Werden aber Menschen so "verstrahlt", dass sie in einigen Stunden/Tagen oder Wochen daran sterben (selbst wenn sie evakuiert werden) - das kann nur durch eine Kernschmelze in Verbindung mit weggefressenen Gebaeudewaenden passieren.

Wenn ich es richtig gelesen habe ist ja mittlerweile ein Gebaeude eingestuerzt ...aber die Medienbeschreibungen waren aus technischer sicht einfach nur Katastrophal...da scheint man die Begriffe "Kuppel" und "Gebaeude" zu vermengen. Auch Reaktor-halle und Generatoren-halle sind anscheinend fuer einige Reporter identisch. Und die Ursache fuer den Eisnturz ist auch offen....Erdbebenschaeden? Oeltankexplosion? Oder doch schon von einer KErnschmelze weggefressene Fundamente? Kann auch wieder von kaum was bis ganz schlimm sein.
Bilder habe ich noch keine gefunden - ich komme auch gerade erst von der Arbeit und muss noch Koffer fuer morgen packen.

Davon ausgehend, dass da ein Gebaeude eingestuerzt ist (welches nun auch immer) und weiter davon ausgehend, dass wir von dem alten Siedewassereaktor reden (siehe den link in meinem ersten Beitrag in diesem Thread), dann wird bei einem eingestuerzten Turbinen/Generatorenhaus auch der Primaerwasserkreislauf beschaedigt sein. die alten Reaktoren haben ja keinen Sekundaerwasserkreislauf.
Ist aber der Primerkreis beschaedigt, dann tritt auf jeden Fall Radioaktivitaet aus - in Dampf oder Wasserform. Wieviel? Das kann von kaum was bis erheblich sein und haengt von vielen verschiedenen Faktoren ab.
Wenn nun diese Dampfwolke des Primaerkreislaufes aus dem eingestuerzten Turbinenhaus (falls es denn das war was eingestuerzt ist) ueber ein Wohnhaus in der Nachbarschaft zieht und die haben ggf noch ein Fenster auf - dann werden die geltenden Strahlenbelastungsgrenzen mit Sicherheit ueberschritten. Um wieviel?
Das haengt von noch mehr Faktoren ab. Kann von kaum was bis toedlich sein.

Also ist das auftauchen "verstrahlter" Personen kein Indiz fuer ein Kernschmelze - sehr wohl aber fuer schwere Schaeden zumindestens am Primiaerkreis. Andersherum ist alles, was ich relativiert habe natuerlich auch kein Argument dafuer, dass es keine Kernschmelze gibt.
Auch das fehlen einer Explosion, die radioaktive Feststoffe in die Atmosphaere treibt ist kein Beweis dafuer, dass es keine Kernschmelze gibt. Eine Kernschmelze mit Dampfreaktion, massivem Ueberdruck und letztendlich einer Explosion (a la Tschernobyl) ist nur eine Variante, wie eine Kernschmelze ablaufen kann.

Alles nicht so einfach einzuordnen. Wenn ich aber hoere/lese, dass die Sicherheitszone von 10 auf 20 km erweitert worden ist .... dass deutet mir schon eher darauf hin, dass man dort zunehmend die Kontrolle verliert.

JEtzt lese ich aber erstmal den link zur SZ - vielleicht bin ich dann schlauer.

Beo

PS - der Bericht der SZ ist eine echte Wohltat - zumindestens wird die technik richtig beschrieben und auch der moegliche ablauf wird richtig dargestellt!!!
Sollte sich eine Explosion ereignet haben, die das Reaktor-Gebaeude von innen gesprengt hat (damit waere es nicht eingestuerzt - das ist was andres), dann ist auf schlecht-deutsch "die Kacke echt am dampfen". Selbst wenn diese Explosion nichts mit den eigentlichen Kern zutun gehabt haben sollte - damit ist auf jeden Fall der Austritt von reichlich Radioaktivitaet gesichert. Ob in milder Form (Dampf, Wasser) oder in uebler Form (Plutonium, Caesium etc) haengt davon ab, ob die Explosion von kam innen kam oder bis ganz innen durchgeschlagen ist......fuer die Reparatur oder wieder-inbetriebnahme des Kuehlwasserkreislaufes hoert sich das aber fuer mich nicht gut an.......


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 Betreff des Beitrags: Re: Alles rund um die Kernkraft
BeitragVerfasst: 13 Mär 2011 03:51 
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Moderaor - z.Zt. a.D.

Registriert: 25 Jan 2011 16:23
Beiträge: 2074
So, nun habe ich fertig - flasche ist leer.

Wenn ich nicht nur bei der tagesschau sondern auch noch in 3 oder 4 anderen Internetseiten/blogs/nachrichtenagenturen parallel lese, dass da "mit Bor versetztes Meerwasser" in den Reaktor gepumpt wird gehen bei mir alle roten Lampen an.
die allererste Frage ist:
Es wird reingepumpt - wo kommt es denn raus? Klingt ja toll "endlich genug Kuehlung sogar mit Bor" ...ja Sch..e, mit dieser Meldung wird unter Ingenieuren lediglich eines gesagt:
Es ist und scheissegal wieviel Dampf oder wieviel radioaktives Wasser wir wohin pumpen (egal ob Dampf in die Luft oder Wasser wieder ins Meer oder in die Fundamente) es geht nur noch um das nackte ueberleben ohne ein "China-Syndrom".
Da koennen sich die offixziellen Stellen jede weitere Kommentare sparen - Bor-Meerwasser unkontrolliert reinpumpen ist die aller-allerletzte Massnahme bevor man nur noch rennt und in 100 km Umreis fuer 100 Jahre alles absperrt.

Inwieweit nun ploetzlich noch ein anderer Reaktor aehnliche Probleme haben soll ist in diesem Zusammenhang fast uninteressant - wenn der zweite Reaktor nahe bei dem kritischen steht wird der auch nicht mehr Schaden anrochten, als das was in dem Bor-Meerwasser-alles-zu-spaet Reaktor gerade passiert.
Ich musste fast zynisch lachen, als ich das Bild bei der tagesschau gesehen habe in dem der japanische Fernsehmensch eine Reaktorgraphik zeigt.....auf der Graphik war der Wasserpegel schon auf Keernschmelz-Niveau eingezeichnet...absicht oder Unwissenheit?

Egal - aber je mehr Nachrichten ich ueber den kritischen Reaktor bekomme (nicht vergessen in 50 km Umkreis um den alten, kritischen stehen nochmal 5 oder 6 Werke mit 12 bis 15 Reaktoren - aber nur die aelteren Siedewasser Reaktoren haben echte Probleme) desto mehr frage ich mich "was um Gottes willen machen die da"?
Das ist allerdings die gleiche Frage, die meine Chefs mir oefter mal stellen...ich weiss also, dass zwischen dem was "an der Front" passiert, dem was "der gruene Tisch weiss bzw glaubt" und dem was die Presse verbreitet nicht nur Welten sondern Universen liegen.
Trotzdem scheint mir, dass aus verschiedenen Quellen das Bor-Meerwasser parallel bestaetigt ist.
Okay, das war es dann. Damit klingt es fuer mich nach einer China-Syndrom schmelze in der das ueberhitzte MAterial sich langsam aber stetig nach unten durch die Fundamente frisst und man versucht durch egal was von oben zu kuehlen. Die Radioaktivitaet in dem verdampften Meerwasser soll durch Brom etwas abgefangen werden - man rechnet noch nicht einmal mehr damit, die Meerwasserdaempfe auzufangen - nacktes Ueberleben oder Schadensbegrenzung im Untergrund. Das ist uebrigens eine der Alterniativen - keine Explosion in der der Reaktor selber mit Hochdruck die Betonwaende wegsprengt (Tschernobyl) sondern eine "sanfte" Schmelze in der das verfluessigte Material sich nach unten durchfrisst.

Ich hoffe nur, dass ich das falsch interpretiere....

Beo


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 Betreff des Beitrags: Re: Alles rund um die Kernkraft
BeitragVerfasst: 13 Mär 2011 09:35 
pali hat geschrieben:
Besseres hätte den Grünen und Windmühle-Verfechter nicht passieren können. Mit wollüstigem Genuß lassen sie die Wörter Kernschmelze, Supergau, atomare Katastrophe auf der Zunge zergehen lassen. Sie genießen es. Es ist ein schöner Tag für die Greenpaece, eine Sternstunde für die ewig Mahnenden.

Natürlich die hiesigen Medien, -ich habe heute früh die n-tv gesehen, wo in einer Endlos-Schleife ein deutscher Green Paece-Aktivist kramphaft versuchte die Lage aus 10.000 km Entfernung möglichst pessimistisch zu beschreiben, nicht ausgesprochen; "das haben wir immer gewollt".- tun alles, aus den marginalen Informationen das Ende der Welt zu prophezeien.
Danach wurde der Filmbericht über Tschernobyl aufgesetzt, nur das "Spiel mir das Lied vom Tode" hat gefehlt.

Wir wissen nicht, was in Fukushima passiert ist, warum ein Teil (welches Teil, in welchem Block?) in Reaktorgebäude wahrscheinlich eingestürzt ist, hat eine Kernschmelze tatsächlich stattgefunden, wie weit ist die geschmolzene in das Betonboden eingedrungen, wie viel Strahlenbelastung in die Umwelt freigesetzt?

Japan wurde von einem Naturkatastrophe heimgesucht, von einem Erdbeben und von einem Tsunami. Die vier Verletzten in Fukushima zu bedauern, aber es geht in Japan wahrscheinlich um mehrere Tausend Toten, verschwundene Züge samt Insassen (wer will die Eisenbahn deswegen verbieten?). Hunderttausende sind obdachlos geworden, Tausende gestorben, Tausende sind vermisst, geschweige von den materiellen Schaden. Fukushima ist ein Peanuts. Warten wir es ab, was tatsächlich passiert ist.

Mit solidarischem Gruß

pali


Du *** ***! :pillepalle: Bist wahrscheinlich doch vor Ort, weshalb Du's besser weisst, oder?
Womöglich biste auch nur Musiker auf der Titanic. Hast Dich bis zum Schwitzen heiss gespielt und freust Dich jetzt, dass Du durchs Sinken zumindest schon mal kalte Füsse bekommst, Tendenz steigend bis Unterkante Oberlippe und darüber hinaus.
Du :klugscheiss: er hast jetzt natürlich 'nen schweren Stand. Wie geht man, gerade mal ein halbes Jahr nach dem Beschluss der atomlobbyhörigen berliner Erfüllungsgehilfen, mit der Tatsache um, dass die verhassten Mahner, von denen man schon immer wusste, dass ihre Mahnungen vollkommen berechtigt sind, einmal mehr auf so grauenvolle Weise Recht behalten? 32 Jahre nach Harrisburg und 25 Jahre nach Tschernobyl zum dritten Mal ein Ereignis solcher Grössenordnung miterleben zu müssen, das laut den Verfechtern dieser Technologie praktisch ausgeschlossen sein sollte, ist natürlich ein herber, kaum verdaulicher Rückschlag für all jene, für die der Profit über die Interessen von Menschen und Umwelt geht.

Schlimm, pali, dass es offenbar Menschen gibt, die frühestens dann begreifen, was falsch ist, wenn sie persönlich Schaden davon tragen.

Gruß
Kritikaster


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 Betreff des Beitrags: Re: Alles rund um die Kernkraft
BeitragVerfasst: 13 Mär 2011 18:30 
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aktiver Forist

Registriert: 04 Feb 2011 12:21
Beiträge: 89
Kritikaster hat geschrieben:
pali hat geschrieben:
Besseres hätte den Grünen und Windmühle-Verfechter nicht passieren können. Mit wollüstigem Genuß lassen sie die Wörter Kernschmelze, Supergau, atomare Katastrophe auf der Zunge zergehen lassen. Sie genießen es. Es ist ein schöner Tag für die Greenpaece, eine Sternstunde für die ewig Mahnenden.

Natürlich die hiesigen Medien, -ich habe heute früh die n-tv gesehen, wo in einer Endlos-Schleife ein deutscher Green Paece-Aktivist kramphaft versuchte die Lage aus 10.000 km Entfernung möglichst pessimistisch zu beschreiben, nicht ausgesprochen; "das haben wir immer gewollt".- tun alles, aus den marginalen Informationen das Ende der Welt zu prophezeien.
Danach wurde der Filmbericht über Tschernobyl aufgesetzt, nur das "Spiel mir das Lied vom Tode" hat gefehlt.

Wir wissen nicht, was in Fukushima passiert ist, warum ein Teil (welches Teil, in welchem Block?) in Reaktorgebäude wahrscheinlich eingestürzt ist, hat eine Kernschmelze tatsächlich stattgefunden, wie weit ist die geschmolzene in das Betonboden eingedrungen, wie viel Strahlenbelastung in die Umwelt freigesetzt?

Japan wurde von einem Naturkatastrophe heimgesucht, von einem Erdbeben und von einem Tsunami. Die vier Verletzten in Fukushima zu bedauern, aber es geht in Japan wahrscheinlich um mehrere Tausend Toten, verschwundene Züge samt Insassen (wer will die Eisenbahn deswegen verbieten?). Hunderttausende sind obdachlos geworden, Tausende gestorben, Tausende sind vermisst, geschweige von den materiellen Schaden. Fukushima ist ein Peanuts. Warten wir es ab, was tatsächlich passiert ist.

Mit solidarischem Gruß

pali


Du *** ***! :pillepalle: Bist wahrscheinlich doch vor Ort, weshalb Du's besser weisst, oder?
Womöglich biste auch nur Musiker auf der Titanic. Hast Dich bis zum Schwitzen heiss gespielt und freust Dich jetzt, dass Du durchs Sinken zumindest schon mal kalte Füsse bekommst, Tendenz steigend bis Unterkante Oberlippe und darüber hinaus.
Du :klugscheiss: er hast jetzt natürlich 'nen schweren Stand. Wie geht man, gerade mal ein halbes Jahr nach dem Beschluss der atomlobbyhörigen berliner Erfüllungsgehilfen, mit der Tatsache um, dass die verhassten Mahner, von denen man schon immer wusste, dass ihre Mahnungen vollkommen berechtigt sind, einmal mehr auf so grauenvolle Weise Recht behalten? 32 Jahre nach Harrisburg und 25 Jahre nach Tschernobyl zum dritten Mal ein Ereignis solcher Grössenordnung miterleben zu müssen, das laut den Verfechtern dieser Technologie praktisch ausgeschlossen sein sollte, ist natürlich ein herber, kaum verdaulicher Rückschlag für all jene, für die der Profit über die Interessen von Menschen und Umwelt geht.

Schlimm, pali, dass es offenbar Menschen gibt, die frühestens dann begreifen, was falsch ist, wenn sie persönlich Schaden davon tragen.

Gruß
Kritikaster


Hi Kritikaster,

vielen Dank für Deine aufgeregten Zeilen. Ich mag mit keinem zu diskutieren, dessen Argumentation sich auf "Du bist ein Klugscheißer" beschränkt, aber wenn es Dein Stil ist, lasse ich es durch, Du hast nicht anders gelernt.

Wenn Du Dich nicht erinnerst, ich habe extra gesagt, wir wissen nicht, was in Fukushima passiert ist, weil keiner von uns da gewesen ist. Nicht die so genannten Experten von Greenpeace, nicht die so genannten Experten von dem Öko-Institut in Darmstadt, nicht die neu geborene Kernschmelzexperte, wie der n-tv Internetsurfer-Mitarbeiter wissen es, was in Fukushima passiert ist.
Es fehlt noch, dass sich die Experten der Hamburger Friedensforscher-Institut zu Wort melden, und erklären, dass der US Imperialismus die Ursache für die Katastrophe ist.

Es wäre hilfreicher gewesen, wenn die Medien nicht die deutschen militanten Öko-Kämpfer über das Notkühlsystem des in 10.000 km entfernten Kernkraftwerks befragt hätten, sondern kompetente Mitarbeiter der Herstellerfirma Westinghouse oder den deutschen Siedewasserreaktor-Hersteller Areva in Offenbach. Sie hätten mehr über das Problem im Notkühlsystem sagen können, als irgendwelcher Öko-Aktivist in Darmstadt.

Auffallend, dass die Weltpresse sich mit dem Erdbeben bzw. mit der Tsunami und mit ihrer Auswirkungen beschäftigen, nicht mit dem z.Zt. relativ belanglosem Kerkraftwerk-Unfall.
Das ist ein beinahe pathologischer Fall, dass die Deutschen befürchten, dass die radioaktive Strahlung in Deutschland gesundheitliche Schäden hervorrufen könnte. In einer ZDF Sendung mußte man die befürchtete Option zweimal dementieren.

Die Katastrophe der Japaner sind die mehreren 10.000 Tote, die Hunderttausende, die obdachlos geworden sind, die nicht abschätzbaren materiellen Schäden.
Die deutschen Medien öffnen die Sondersendungen mit Schlagzeilen; atomare Katastrophe, Kernschmelzen, größere Katastrophe als in Tschernobyl usw.
Das Problem der Japaner, ob morgen der Strom fließt, ob neue Erdbeben kommen. Über Fukushima machen sie ebenso wenig Gedanken, wie über das TV- Program der letzten Woche. Sie überlassen die Panik den Deutschen.

Fassen wir zusammen: Wir haben gesehen, dass es kein Containment gibt, wir haben gesehen, dass das Gebäude, wo der Reaktor untergebracht wurde, ist stark beschädigt. Es wurde gesagt, dass eine Stahlhülle unbeschädigt geblieben ist. Ist diese Hülle eine zusätzliche Schale um den Reaktordruckbehälter herum oder der Reaktordruckbehälter selbst? Ich weiß es nicht, ich vermute, Du weißt es noch weniger.

Woher kommt die gemessene Strahlung um die Anlage herum? (800-1200 µSv etwa, der normale natürliche Strahlungsbelastung in Deutschland etwa 0,4 mSv/a, ein Transatlantik Flug 0,3 mSv (7-8 Stunden)
Ansatz für die Ungefährlichkeit der gemessenen Strahlung:
< 0,2 Sv: keine erkennbaren Wirkungen
0,2 – 1 Sv: vorübergehende, leichte Veränderung des Blutbildes; ernste Schäden nicht wahrscheinlich

Woher kommt die Strahlung? Ich weiß es nicht, ich vermute, Du weißt es noch weniger.

Ist die Kernschmelze schon im Gange? Wie weit ist das geschmolzene Brennstoff ins Boden eingedrungen? Wie lange dauert das Proceder? Wie tief geht es hinein? Fragen über Fragen. Diese Fragen kann ich nicht beantworten, weil ich keine Informationen kriege. Aber Du kriegst auch nicht, also die Gefährlichkeit des Kernkraftwerkes können wir nicht beurteilen. Deswegen sage ich, warten wir es ab.

So lange kann die Bundesregierung prüfen lassen, ob die deutsche Kernkraftwerke auf 9 oder 9,5 Stärke der Richter-Skale ausgelegt sind, ob aus Neckar, Isar oder aus Main ein Tsunami in Höhe von 20 m entstehen kann.
Auf diese Störfälle sind die deutschen Kernkraftwerke nicht ausgelegt. Also, schließen wir sie!
Und wenn wir geschlossen haben, dann können wir die Kraftwerke in den Niederlande, in Frankreich, in der Schweiz, in der Tschehei, in der Slowakei, in England usw. schließen lassen.

Wenn es überall passiert ist, können wir die Petroleumlampe anzünden.

Mit solidarischem Gruß

pali


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 Betreff des Beitrags: Re: Alles rund um die Kernkraft
BeitragVerfasst: 13 Mär 2011 21:24 
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Nachdem was ich hier lese und in den Medien höre, rollen sich mir die Fußnägel auf …

Ach ja – Tote, die noch nicht zählbar sind, weil deren Ableben nicht problemlos kausal mit Ereignissen verbindbar sind, sind dennoch mausetot, auch wenn deren Ableben erst in einigen Jahren erfolgt.

Was in Japan passiert bzw. schon passiert ist, kann ich lediglich den widersprüchlichen Meldungen entnehmen und will nicht darüber spekulieren.

Was wie in einen dt. KKW funktioniert, kann jeder, der auch nur ein ganz klein wenig technisches Grundverständnis hat hier http://de.wikipedia.org/wiki/Kernkraftwerk nachlesen. Wie es drinnen aussieht – von bunten Bildchen mal abgesehen – wissen nur die, die da schon mal waren – nicht Tage, sondern Jahre. Einige singen das Lied ihrer Brötchengeber – andere sind irgendwann mal ausgestiegen, weil es bessere Jobs gab oder auch aus anderen Gründen. Bei mir waren es „andere Gründe“. Nichts macht übrigens leichtsinniger als tägliche Routine – nach drei … vier Jahren ist jeder betriebsblind.

Was in Japan passiert und passiert ist, kann ohne Spekulation, als jenseits des „Auslegungsstörfalls“ angesehen werden – der, wenn auch nicht in all seinen Einzelheiten bei uns volkstümlich als „GAU“ bezeichnet wird. Hier eine Definition aus dem gleichnamigen WIKI :
WIKI Auslegungsstörfall hat geschrieben:
Ein Auslegungsstörfall (engl. Design Basis Accident) eines Kernkraftwerks, nach der Definition des Bundesamts für Strahlenschutz auch als größter anzunehmender Unfall (GAU) bezeichnet, ist der größte Unfall, "für den die Sicherheitssysteme noch ausgelegt sein müssen. Die Sicherheitssysteme müssen in einem solchen Fall gewährleisten, dass die Strahlenbelastung außerhalb der Anlage die nach der Strahlenschutzverordnung geltenden Störfallgrenzwerte nicht überschreitet."

Es ist somit der größte Unfall, der bei der Planung einer kerntechnischen Anlage anzunehmen ist und dessen Beherrschbarkeit im Rahmen des Genehmigungsverfahrens nachzuweisen ist.

Der Begriff Auslegungsstörfall wird von staatlichen Stellen und Kraftwerksbetreibern der älteren und bekannteren Bezeichnung GAU vorgezogen. Er weist darauf hin, dass es sich um Störfälle handelt, die bereits durch Analysen in der Planungsphase berücksichtigt wurden und gegen die Kraftwerke redundant ausgelegt sind.


Soweit die Theorie.

Der Mensch denkt und der Zufall lenkt ! Rein „zufällig“ ist eines der wohl am dichtesten bewohnte Gebiete von einem "MEGA" Erdbeben heimgesucht worden, dass in Folge nebenbei ganz Japan um ~2,5 m gen Osten verschoben hat. Ganz „zufällig“ hat dieses Seebeben vor Japan eine Tsunami von leicht über den Planungen liegende Höhe erreicht, was die nach „ Auslegungsstörfall“ zunächst ordnungsgemäß angelaufenen Notkühlungen der Anlage sofort, nachhaltig und wohl für immer „abgeschaltet“ hat.

Das scheint Fakt zu sein – wobei wohl lediglich gerätselt werden darf ob nun die Einlaufbauwerke (da kommt das Kühlwasser her) und oder die Notstromdiesel als Folge dieser massiven Wasserwand nachhaltig am ordnungsgemäßen Funktionieren gehindert wurden und werden. Tatsache scheint es nach all den Umständlichen Erklärungen zu sein, ES HAT NICHT FUNKTIONIERT ! Warum und wieso ist leider im Nachhinein unerheblich für die weitere Entwicklung.

In Biblis (Druckwasserreaktor) ist das gesamte Primärsystem mit Wasser gefüllt, welches bewusst stets flüssig gehalten wird, weil nur so der maximale Wärmetransport möglich ist. Nun muss um einen Nutzen zu haben (wenigstens) ein Teil der produzierten Wärme in „Bewegung“ umgewandelt werden. Dafür ist das Sekundärsystem zuständig. Darüber läuft auch der Kühlkreislauf , wie diese Grafik zum Beitrag einigermaßen verständlich macht.

Alle „problematischen“ radioaktiven Bauteile befinden sich im Innern des „Sicherheitsbehälters“, der möglichst zu jedem Zeitpunkt hermetisch nach außen abgeschlossen bleiben soll. Damit wird bei einer solchen Anlage „lediglich“ der unvermeidbare (sich bildende) radioaktive Wasserstoff (Tritium „Superschwerer Wasserstoff“ ) über die „Schornsteine“ abgelassen. Der ist wie „einfacher“ Wasserstoff in bestimmten Mischungsverhältnissen, hochexplosiv, wie die hübschen Bilder aus Japan anschaulich vermitteln. Zwar wurde da von H als „Kühlmittel“ gesprochen, was sich mir allerdings nicht so recht erschließt. Inwieweit auch „Schwerer Wasserstoff“ oder schlicht einfaches H erzeugt wird ist eher unerheblich, da alle als „Knallgas“ die selbe explosive Wirkung zeigen. Die Halbwertszeit beträgt ~12,3 Jahre und die „weiche Betastrahlung“ bleibt „außen vor“ - wenn man das Gas nicht gerade einatmet oder sonst wie „inkorporiert“.

Zum Zeitpunkt einer RESA (Reaktorschnellabschaltung) aus was immer für Gründen, stehen in Biblis A oder B ca. dreimal die Leistung, die diese Kraftwerk ansonsten ans Netz abgibt (~1200 MW) zur Kühlung an – also nicht „nur“ 2400 MW thermisch – sondern 3.600 MW „thermisch“.
Damit sich auch Hausfrauen ein Bild machen können – ein Bügeleisen richtig heiß wird mit 2 kW berechnet (ich sag das) nun sind 3600 MW (Mega Watt) 3.600.000 kW – in Bügeleisen ausgedrückt, stehen im Reaktordruckgefäß daher 1,8 Millionen heiße Bügeleisen herum. Das dauert schon eine Weile bis die kalt genug sind um sich nicht mehr daran zu verbrennen. Dazu kommt noch stündlich ungefähr 5 % Nachzerfallswärme (noch mehr Bügeleisen). Im allgemeinen muss die Kühlung mindestens 24 Stunden voll funktionieren, bis dann nach ~36 Stunden eventuell der Deckel abgenommen werden kann. Der Nachzerfall ist dann thermisch problemlos klein – jedenfalls, wenn sich nicht einige Brennstäbe zu irgendwelchen Klumpen vereinigt haben – was womöglich monatelang zu unerwünschten thermischen Effekten führt

Nun fragt sich sicher jeder, wie es wohl möglich ist in ein hermetisch abgeschlossenes Gebäude plötzlich „Seewasser“ gelangen zu lassen. Nun das kommt auch nicht da rein, sondern die füllen von außen das Reaktorgebäude mit Seewasser – in der vagen Hoffnung, genügend Wärme vom überhitzten Druckgefäß „abzuleiten“. Das ist weit jenseits von „Auslegungsstörfall“ da hat man den „GAU“ semantisch und realistisch bereits weit hinter sich gelassen.

Doch wie sieht es „drinnen“ aus ? Hineinsehen ist ist nicht. Allenfalls können Messgeräte über den inneren Wasserstand Auskunft geben. Sowohl im äußeren Druckbehälter (der in Biblis ~30 mm stark ist), als auch im Reaktordruckbehälter ist wegen Hitze, Strahlung und Wasserdampf wohl kaum mehr eine optische Sicht möglich. Keine Kamera dürfte das überleben – auch kein Mensch selbstverständlich.

So kann nur an der allgemeinen Auswirkung, die ein solcher Zustand nach sich zieht, der „innere“ Wasserstand in den BEIDEN Gefäßen abgeschätzt werden. Ob nun bereits Teile des (in Biblis auch im abgeschalteten offenen Zustand min. 12 ! m unter Wasser liegenden) „Inventars“ noch mit Wasser bedeckt sind, wird sich an der Reaktion dieser Teile zeigen. Selbst wenn sich die Steuerstäbe auf „AUS“ Position befinden (zwischen den Brennstäben), entsteht noch eine erhebliche Nachzerfallswärme oder besser -hitze. Wenn die ausreicht um Teile der Brennstäbe miteinander zu verschmelzen, wir wieder NEUE Wärme produziert – völlig regellos – sprich UNREGULIERBAR.

Nun ist es lediglich eine Frage aller Umstände, wie lange es dauert, bis sich aus solchen „Hotspots“ eine größere Maße völlig unregulierbarer Uranklumpen bildet, der unerbittlich Wärme – Hitze produziert. Ein Prozess, der gleichzeitig das noch verbliebene Wasser verdampft und dabei den Druck im Reaktordruckbehälter ansteigen lässt. Da Wasserdampf kein guter Wärmeleiter darstellt, wird nun eine Kühlung des äußeren Reaktordruckbehälters immer geringer. Wobei zu bedenken ist, dass sich um diesen herum weiterhin ein hermetisch geschlossener „Sicherheitsbehälter“ befindet, der von außen weder gefüllt, noch geleert werden kann !

Die „Notkühlung“ in z.B. Biblis erfolgt per Notkühlpumpen, die schlicht das kondensierte Wasser aus dem Bodenbereich des „Sicherheitsbehälter“ wieder ansaugen und dieses von oben über die gesamte Anlage laufen lassen – wo es unter Wärmeabgabe an die Stahlhülle erneut kondensiert usw. usf. Dies soll nach den den Auslegungen des „Auslegungsstörfall“ solange andauern, bis die Nachzerfallswärme „irgendwie weg gekühlt“ ist. Von irgendwelchen weiter vor sich hin wärmenden „Hotspots“ - sprich teilgeschmolzenen Brennstäben – wurde dabei NICHT ausgegangen. Das kommt lt. „GAU“ (Größt Anzunehmender Unfall) per Definition nicht vor.

Ach ja noch so eine Einzelheit – die Akkumulatoranlage in dt. Kraftwerken dient „lediglich“ zu Schließen der zahlreichen el. betriebenen Ventile und der sicheren Aufrechterhaltung von Signalspannungen und Schaltspannungen etc. Das damit auch gekühlt werden könne, ist angesichts der über Stunden benötigten Leistung der Notkühlpumpen eher eine laienhafte Annahme – inwieweit die Japaner das über Stunden hinbekommen, würde mich da brennend interessieren !

Nun bei den „unterentwickelten Sowjetrussen“ kann nur Dummheit und ein völlig anderes System zu mehr als dem „GAU“ führen – nicht so in hochentwickelten Industrienationen wie D oder Japan. Es sei denn, „unvorhersehbare Ereignisse“ oder besser „als nicht vorhersehbar deklarierte Ereignisse“ nehmen ihren „schicksalhaften Lauf“. Im Fall von Japan, ist der „Sündenfall“ durch das Ausklammern von als „unwahrscheinlich“ geltenden Umständen offenbar in 56facher Ausführung passiert.

Würde es sich um ein begrenztes Risiko – nur das Betriebspersonal ist tot – handeln, wer würde da nein sagen (im und um das KFZ sterben in D ja auch einige tausend Menschen jährlich) ? Wenn jedoch eventuell ein ganzes Land und eventuell auch Nachbarn tödlich betroffen sind – wenn man sich augenscheinlich verkalkuliert hat – sollte eine solche Technik niemals erlaubt werden. Was dort gilt, sollte selbstverständlich auch anderswo gelten. Doch leider ist Mensch in höchstem Maß selbstmordgefährdet - wie sonst könnte er sich so verhalten wie er sich verhält ???

Ganz zu Schluss noch eine weitere Absonderlichkeit im japanischen Spiel – Seewasser mit „Borsäure“ angereichert – wie bekommen die das in den Kühlkreislauf, wenn der noch intakt ist ? Jeder darf mit mir rätseln – hier noch ein WIKI-Zitat :
WIKI Druckwasserreaktor hat geschrieben:
Dem Kühlmittel Wasser wird eine veränderliche Menge an Borsäure zugesetzt. Bor ist ein wirksamer Absorber für Neutronen, somit kann durch die Borsäurekonzentration die Leistung des Reaktors geregelt werden. Eine automatische, in der Physik begründete, Leistungsregelung liegt im Zusammenhang von Brennstoff- und Kühlmitteltemperatur mit der Reaktivität. Eine Temperaturerhöhung im Reaktor führt zu:

* erhöhter Brennstofftemperatur: Dadurch steigt die Neigung des nicht spaltbaren Uranisotops 238, Neutronen zu absorbieren.

* erhöhter Kühlmitteltemperatur, geringerer Dichte: Dadurch verringert sich die Moderationseigenschaft des Kühlmittels, sodass weniger thermische Neutronen zur Spaltung von Uran-235-Kernen zur Verfügung stehen.

Durch diese Effekte verringert sich die Reaktivität und somit die Leistung des Reaktors.

Das Kühlmittel wird im Primärkreislauf unter erhöhtem Druck von 154–160 bar durch den Reaktorkern geleitet, wo es die durch Kernspaltung erzeugte Wärme aufnimmt und sich auf etwa 325 °C erwärmt.
Ein wenig zu warm und zu hoher Druck um da einfach mal was „einzufüllen“ - auch dann, wenn es ein Siedewasserreaktor wie in Japan ist, wo „nur“ Dampf raus kommt und das Wasser ein wenig „kühler ist“ nun ja in ihrer Verzweiflung werden die todgeweihten Japaner sich sicher einiges einfallen lassen, was so nicht in den Betriebsvorschriften steht.

_________________
Achte stets auf Minimale Endogene Mortalität (MEM) !


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 Betreff des Beitrags: Re: Alles rund um die Kernkraft
BeitragVerfasst: 13 Mär 2011 22:39 
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Beiträge: 13464
Auch wenn Du vielleicht voll_ratlos bist?: das hast Du toll erklärt!

Zitat von Dir:Ach ja noch so eine Einzelheit – die Akkumulatoranlage in dt. Kraftwerken dient „lediglich“ zu Schließen der zahlreichen el. betriebenen Ventile und der sicheren Aufrechterhaltung von Signalspannungen und Schaltspannungen etc. Das damit auch gekühlt werden könne, ist angesichts der über Stunden benötigten Leistung der Notkühlpumpen eher eine laienhafte Annahme – inwieweit die Japaner das über Stunden hinbekommen, würde mich da brennend interessieren !

Um das Wasser in den jap. AKWs kühl zu halten, müsste man doch ständig Neues Meerwasser einpumpen, denn das Alte wird doch erwärmt. Ohne Strom ist das wohl schlecht - bis unmöglich, oder?!

Was mich etwas irritiert, ist, dass im TV so gar nichts vom Vulkanausbruch berichtet wird. Wenn der im SW stattgefunden hat, fällt dieses Gebiet zum Evakuierungssammelplatz wohl auch flach.
Ich wünsche den Menschen in Japan wirklich Alles erdenklich Gute, habe aber die Befürchtung, dass Japan mehr oder weniger zum grössten Massengrab aller Zeiten wird. :cry:

_________________
EU: »Wir beschließen etwas, stellen das dann in den Raum und warten einige Zeit ab, was passiert...
(Juncker), nachzulesen im Spiegel
Kaufen, was einem die Kartelle vorwerfen; lesen, was einem die Zensoren erlauben; glauben, was einem die Kirche und Partei gebieten. Beinkleider werden zur Zeit mittelweit getragen. Freiheit gar nicht. - Kurt Tucholsky
T. Jefferson: Die Wahrheit steht von alleine aufrecht, die Lüge bedarf der Stütze des Staates.


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 Betreff des Beitrags: Re: Alles rund um die Kernkraft
BeitragVerfasst: 13 Mär 2011 23:58 
@voll_ratlos

Traurig, aber wahr :daumen:

Gruß
Kritikaster


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